Die österreichisch-deutsche Schauspiellegende Senta Berger sorgt mit klaren Aussagen zu Feminismus, MeToo und Gendern für Diskussionen. Die 85-Jährige kritisiert vor allem pauschale Vorwürfe gegen Männer und warnt vor einer gesellschaftlichen Entwicklung, die ihrer Meinung nach zunehmend von Unsicherheit und Überkorrektheit geprägt ist.
„Ein ganzes Geschlecht zu kriminalisieren, halte ich für falsch“
Im Interview mit dem Stern stellte Berger klar, dass sie nichts davon halte, Männer generell unter Verdacht zu stellen. „Ich dachte, wir wären schon weiter. Ich halte das für falsch, ein ganzes Geschlecht zu kriminalisieren“, sagte die Schauspielerin. Hintergrund ihrer Aussagen sind aktuelle Debatten über Machtmissbrauch und Sexismus in der Unterhaltungsbranche.
Auch mit Blick auf einzelne prominente Fälle lehnt Berger eine Kollektivschuld ab. „Wieso sollten sich alle Männer dafür entschuldigen, weil ein Christian Ulmen oder sonst jemand seine Frau gedemütigt hat?“, fragte sie. Emanzipation könne ihrer Ansicht nach nur gemeinsam mit Männern gelingen. Viele Männer hätten sich in den vergangenen Jahrzehnten durchaus um gesellschaftlichen Fortschritt bemüht.
MeToo habe Fortschritte gebracht – aber auch Unsicherheit
Die Schauspielerin betonte zugleich, dass die MeToo-Debatte wichtige Veränderungen angestoßen habe. Besonders junge Frauen in der Filmbranche seien heute besser geschützt als früher. Dennoch beobachte sie mittlerweile auch eine gewisse Verunsicherung bei Männern.
Manche junge Männer würden sich heute kaum noch trauen, Frauen Komplimente zu machen, sagte Berger. Das empfinde sie als schade. Bereits früher hatte sie darauf hingewiesen, dass die Debatte aus ihrer Sicht teilweise zu stark boulevardisiert worden sei und dadurch an Tiefe verloren habe.
Kritik an Gendern und amerikanischer „Korrektheit“
Bereits 2023 hatte Berger in einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung Kritik an gesellschaftlichen Entwicklungen wie Gendern und politischer Korrektheit geäußert. Wie Focus Online berichtete, halte sie wenig davon, sprachliche Veränderungen einfach deshalb zu übernehmen, „weil man das jetzt eben so macht“.
Auch die zunehmende Orientierung an amerikanischen Debatten sieht Berger kritisch. Ihrer Meinung nach würden europäische Gesellschaften dadurch eigene kulturelle Maßstäbe verlieren. Als Beispiel nannte sie Stanley Kubricks Film „Lolita“, der in den USA heute vielfach als problematisch angesehen werde. „Das ist nicht gut. Wir verleugnen uns“, sagte die Schauspielerin damals.

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