Rund 100 Familien haben sich zusammengeschlossen, um gegen ein neues Konzept ihres Erzbistums zu kämpfen, wie die deutsche Tageszeitung Welt berichtet. Der Grund: Hamburgs katholische Schulen öffnen sich unter dem Motto „Männlich, weiblich, divers” für geschlechtliche Vielfalt. Diese soll ab dem Schuljahr 2026/27 in die sexuelle Bildung miteinbezogen werden.
Eine Mutter kämpft gegen die LGBTQ-Agenda
Für Varinia Arauco Vera war das Maß voll. Die dreifache Mutter mit peruanischen Wurzeln hatte zwei Söhne bewusst auf eine katholische Schule geschickt, damit sie nach katholischen Werten unterrichtet werden, wie sie der Welt erzählt. Kinder in der Volksschule bräuchten Orientierung, sagt sie, und dürften nicht mit Vorstellungen über fließende Geschlechter „überfordert” werden.
Ihr älterer Sohn sei an einer staatlichen Schule so intensiv mit LGBTQ-Themen konfrontiert worden, dass sein Glaube Schaden genommen habe. Dass nun auch die katholischen Schulen eine „identitätspolitische Agenda” verfolgten, sei für viele Eltern ein Schock.
Gemeinsam mit Gleichgesinnten gründete sie deshalb das „Elternnetzwerk Kinderschutz & Prävention”, dem sich bereits rund 100 Familien angeschlossen haben. Es fordert einen Rückzug und eine umfassende Überarbeitung des Konzepts.

Anwalt sieht Elternrecht verletzt
Auch ein zweifacher Vater erhebt schwere Vorwürfe. Es gebe ein grundgesetzlich geschütztes Recht der Eltern, über Erziehungsfragen vorrangig zu entscheiden – dieses dürfe das Erzbistum nicht übergehen. Aufklärung über Homo- oder Transsexualität sei zulässig, aber sie dürfe nicht „affirmativ, werbend oder programmatisch von Klasse eins bis zwölf” vermittelt werden.
Der Jurist stört sich vor allem daran, dass das Konzept die Einbeziehung externer Akteure ermöglicht – etwa die Kooperation mit außerschulischen Stellen. Würden LGBTIQ-Organisationen in die Schulen geholt, deren Zweck die Verbreitung bestimmter gesellschaftlicher Vorstellungen sei, verstoße das gegen das im Schulgesetz verankerte Verbot einseitiger Beeinflussung.
Das Konzept, das mit der katholischen Sexualmoral bricht
Generalvikar Pater Sascha-Philipp Geißler schreibt im Vorwort des Rahmenkonzepts, die Kirche entwickle ihre Einstellung zur Sexualität „ständig weiter” und trete ein „für die Akzeptanz von Vielfalt hinsichtlich sexueller Orientierungen und geschlechtlicher Identität”.
Besonders brisant für die Kritiker: Auch der Umgang mit besorgten Eltern wird vorweggenommen. Lehrkräften wird empfohlen, wie sie auf Sorgen vor „Frühsexualisierung” reagieren sollen. Solchen „falschen Annahmen” lägen oft Ängste zugrunde – diese gelte es zu „enttarnen” und durch „Fakten” aufzulösen.
Das Erzbistum widerspricht
Das Erzbistum weist die Darstellung eines breiten Widerstands zurück. Nach einem Jahr intensiver Auseinandersetzung stoße das Konzept „auf einen breiten Konsens”, so ein Sprecher. Bei den 15 Schulen des Erzbistums habe es „lediglich vereinzelte kritische Stimmen” gegeben. Die Mitwirkung der Eltern sei durch das Schulgesetz abgesichert.
Ein Zugeständnis macht das Bistum aber: Auf den umstrittenen Sexualpädagogen Uwe Sielert, auf dessen Ideen sich das Konzept stützte, werde man sich bei der Überarbeitung nicht mehr berufen.
Streit bis nach Rom
Arauco Vera widerspricht dem Bild vom Konsens. Gerade unter Einwanderern aus katholisch geprägten Ländern stoße das Konzept auf scharfe Kritik – viele trauten sich aber nicht, etwas zu sagen, aus Angst vor Nachteilen für ihre Kinder.
Der Streit reicht inzwischen bis in den Vatikan. In einem Brief an die Apostolische Nuntiatur fordert das Elternnetzwerk eine weitgehende Revision des Konzepts und einen „Stopp der Frühsexualisierung”. Der Nuntius habe die Eltern in Berlin empfangen und versprochen, ihr Anliegen in Rom vorzubringen.

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