Ein kurzer Clip aus dem Rathaus von Birmingham geht derzeit viral und sorgt für heftige Debatten auf X. Zu sehen ist die feierliche Amtseinführung des neuen Lord Mayor der britischen Millionenstadt: Zaker Choudhry (71), Lokalpolitiker der Liberaldemokraten.
„Lord Mayor“ lässt sich am ehesten mit „Oberbürgermeister“ übersetzen. In Birmingham ist das Amt aber vor allem repräsentativ. Choudhry ist damit der zeremonielle „First Citizen“ – der „erste Bürger“ der Stadt.
Der erste Teil des Videos zeigt eine religiöse Rezitation zu Beginn der Zeremonie. In mehreren viralen Postings wird sie als islamisches Gebet beschrieben. Der zweite Teil zeigt Choudhry in traditioneller britischer Amtsrobe bei seiner Antrittsrede. Genau diese Kombination sorgt für Aufsehen: islamische Rezitation, historische Rathauskulisse, britische Zeremonialkleidung – und anschließend eine Rede in sehr holprigem Englisch.
Spott über „Britistan“
Auch im deutschsprachigen Raum verbreitet sich das Video. Der in Zürich tätige Anwalt Emrah Erken teilte den Clip auf X mit sarkastischem Kommentar: „Ein Liedchen zu Beginn der Vereidigungszeremonie des Bürgermeisters von Birmingham, UK und die anschliessende Rede des Frischgewählten. Wenn du das nicht extrem geil findest, bist du übrigens ein Rassist…“
Unter den Videos häufen sich spöttische, empörte und sarkastische Kommentare. Viele Nutzer sprechen von „Britistan“ – einem polemischen Kunstwort aus „Britain“ und „Pakistan“, also aus „Großbritannien“ und „Pakistan“. Der Vorwurf: Großbritannien verliere durch Masseneinwanderung und Multikulturalismus seine kulturelle Identität.
Andere verteidigen Choudhry. Sie verweisen darauf, dass er seit Jahrzehnten in Birmingham lebt, seit 2006 im Stadtrat sitzt und nun lediglich ein zeremonielles Amt übernimmt. Religiöse Elemente seien bei britischen Amtseinführungen auch nicht ungewöhnlich.
Der Shitstorm dreht sich um die Symbolik.
Positive Resonanz: „Inklusion und Dienst“
Offiziell wurde die Amtseinführung sehr positiv dargestellt. Die Stadt Birmingham teilte mit, Choudhry werde als Lord Mayor die Stadt repräsentieren und für „Gastfreundschaft, Inklusion und Dienst“ stehen.
Auch die Liberaldemokraten würdigten ihn bereits vor der Amtsübernahme. Fraktionschef Roger Harmer erklärte, Choudhry habe eine lange Geschichte des öffentlichen Dienstes und sei eine hervorragende Wahl für das Amt des „First Citizen“ – also des „ersten Bürgers“ der Stadt. Choudhry selbst sprach von einer großen Ehre und kündigte an, alle unterschiedlichen Gemeinschaften Birminghams vertreten zu wollen.
Wer ist Zaker Choudhry?
Zaker Choudhry wurde in Azad Kashmir in Pakistan geboren. 1969 kam er als 14-Jähriger nach Großbritannien. Seit 2006 sitzt er im Stadtrat von Birmingham.
Laut der Stadt Birmingham dienten mehrere Generationen seiner Familie in den Streitkräften. Sein Vater wurde 1945 von König George VI. für seinen Einsatz im Zweiten Weltkrieg ausgezeichnet. Die Stadt beschreibt Choudhry als erfahrenen Lokalpolitiker mit Engagement für Nachbarschaften, Sicherheit, Infrastruktur und wohltätige Initiativen. Er war unter anderem in der West Midlands Police Authority, im Gesundheitsausschuss sowie in Verkehrs- und Planungsgremien tätig.
Seine Ehefrau Zubeda Rashid wird ihn als „Lady Mayoress“ begleiten – also als offizielle Begleiterin des Lord Mayor bei repräsentativen Anlässen.
Ein repräsentatives Amt
Choudhry übt damit ein traditionelles und repräsentatives Amt aus. Er übernimmt zeremonielle Aufgaben, vertritt die Stadt bei offiziellen Anlässen und steht bei besonderen Ereignissen im Mittelpunkt. Die politische Macht in der Stadt liegt aber nicht bei ihm.
Die Debatte auf Social Media kreist um die Frage, welches Bild diese Zeremonie sendet.
Birmingham hat sich stark verändert
Birmingham gilt seit Jahren als Symbol für den tiefgreifenden demografischen Wandel in Großbritannien. Die Stadt ist jung, multiethnisch und religiös stark gemischt.
Bei der Volkszählung von 2021 waren knapp 30 Prozent der Einwohner Muslime. Auch der Anteil der Menschen mit asiatischem Hintergrund ist hoch. Für viele Briten ist Birmingham daher längst ein Brennglas jener Entwicklung, die auch andere europäische Großstädte verändert. Das virale Video trifft genau diesen Nerv.
Die Befürworter sehen vor allem eine gelungene Einwandererbiografie, kommunales Engagement und eine Stadt, die ihre Vielfalt sichtbar macht. Dazu passe ja auch Choudhrys Familiengeschichte.
Kritiker sehen etwas anderes: ein Bild, das sie kaum noch mit jener britischen Amtskultur verbinden können, die über Jahrhunderte mit Architektur, Zeremoniell, Sprache und Institutionen Bewunderung erregte.
Der Fall Birmingham ist kein politischer Machtwechsel. Er ist ein Symbolbild, das für viel Aufsehen sorgt.

Kommentare
Lädt Kommentare...