In der Bundeshauptstadt sind derzeit 2.280 Sammelcontainer im Einsatz, meist in der Nähe von Altstoffinseln. Sie galten lange als niederschwellige Möglichkeit, gebrauchte Kleidung weiterzugeben. Doch genau diese Standorte sind zunehmend zum Problem geworden.
Immer wieder werden Container gewaltsam geöffnet, brauchbare Stücke entnommen und der Rest achtlos zurückgelassen. Kleidung verteilt sich auf Gehsteigen und Grünflächen, verschmutzt und zieht Ungeziefer an. Laut Stadtverwaltung führte das im vergangenen Jahr zu knapp 800 Beschwerden, heuer wurden bereits mehr als 340 registriert.
Die Verantwortlichen im Rathaus sehen die Situation als untragbar. Über Jahre hinweg seien Betreiber aufgefordert worden, die Missstände zu beheben. Doch ohne nachhaltigen Erfolg. Die Konsequenz: ein vollständiges Verbot im öffentlichen Raum, umgesetzt über eine Anpassung des Gebrauchsabgabengesetzes sowie eine ortspolizeiliche Verordnung. Nach Inkrafttreten gilt eine zweimonatige Frist zur Entfernung der Container.
Stadt argumentiert mit Ordnung – Betreiber sprechen von Fehlentscheidung
Die Stadt betont, der öffentliche Raum sei ein „kostbares Gut“, das geschützt werden müsse. Betreiber hätten es nicht geschafft, die Probleme in den Griff zu bekommen, und würden die Folgen auf die Allgemeinheit abwälzen.
Doch aus der Branche kommt heftiger Widerstand. Besonders deutlich äußert sich das Unternehmen Öpula, einer der größten Akteure in Wien. Rund 1.500 Container des Unternehmens wären vom Verbot betroffen. Geschäftsführer Kurt Willheim spricht von einem funktionierenden System, bei dem verschmutzte Standorte innerhalb von 24 Stunden gereinigt worden seien – entsprechende Nachweise gebe es.
Für das Unternehmen steht viel auf dem Spiel. Wien gilt als wichtigster Markt. Sollte das Verbot bestehen bleiben, droht nach eigenen Angaben sogar die Schließung. Öpula prüft derzeit rechtliche Schritte gegen die Entscheidung.
Zeitpunkt sorgt für zusätzliche Brisanz
Besonders kritisch sehen Betreiber den Zeitpunkt der Maßnahme. Denn bereits ab 2028 tritt auf EU-Ebene die sogenannte erweiterte Herstellerverantwortung in Kraft. Dieses System soll die Sammlung und Verwertung von Textilien grundlegend neu organisieren.
Dass Wien nun ein Jahr zuvor einen radikalen Schnitt setzt, stößt auf Unverständnis. Aus Sicht der Branche hätte man die bestehenden Strukturen zumindest bis zur europäischen Neuregelung aufrechterhalten können.

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