Auslöser ist ein Video der kanadischen Politikerin Leah Gazan, die bei einer Pressekonferenz das sperrige Akronym „MMIWG2SLGBTQQIA+“ verwendet. Der Clip verbreitete sich rasant und erreichte dutzende Millionen Aufrufe. Zusätzliche Dynamik bekam die Debatte, als Elon Musk den Beitrag aufgriff.
Ein Akronym – und was dahintersteckt
Die Abkürzung „MMIWG2SLGBTQQIA+“ ist tatsächlich kein Scherz, sondern wird in Kanada offiziell verwendet. Sie steht vollständig für:
MMIWG: Vermisste und ermordete indigene Frauen und Mädchen
2S (Two-Spirit): Eine indigene Identitätskategorie für Menschen, die sich weder eindeutig als männlich noch weiblich verstehen
LGBTQQIA+: lesbisch, schwul, bisexuell, transgender, queer, fragend (Menschen, die ihre Identität noch klären), intersexuell, asexuell, weitere Identitäten.
Das Akronym vereint damit sowohl Opfer schwerer Gewaltverbrechen als auch verschiedene sexuelle und geschlechtliche Identitäten in einer einzigen Formel.
Mmiwg2slgbtqqia Kanadische Politikern Formuliert Neues Mega Akronym
„Ein paar Buchstaben im Alphabet noch übrig“
Der virale Clip landete schließlich auch bei Elon Musk. Seine Reaktion: knapp, trocken, vernichtend. „Kanada ist durch.“
Kurz darauf legte er nach: „Offenbar sind im Alphabet noch ein paar Buchstaben übrig.“ Beide Aussagen verbreiteten sich rasant und wurden hunderttausendfach geteilt.
Netz reagiert mit Spott
Unter dem Video sammelten sich tausende bissige Kommentare. Einige der meistgeteilten:
„Das ist die Fahrgestellnummer meines Autos.“
„Perfektes WLAN-Passwort.“
„Ich habe das laut gesagt – und meine Möbel begannen zu schweben.“
„Diese Buchstabensuppe wird irgendwann unter ihrem eigenen Gewicht zusammenbrechen.“
Viele Nutzer empfinden die immer länger werdenden Akronyme als überzogen, zunehmend unverständlich – kurz: absurd.
Kritik: „Zwei völlig verschiedene Themen werden vermischt“
Doch im Netz ging es nicht nur um Spott. Viele Kritiker störten sich vor allem daran, dass hier unterschiedliche Ebenen zusammengeworfen werden.
Die kanadische Kommentatorin Samantha Smith, die den Clip viral machte, formulierte es deutlich. Sinngemäß erklärte sie: „Indigen ist keine sexuelle oder geschlechtliche Identität. Hier wurde ein eigenständiges Problem einfach an das bestehende LGBT-Schema angehängt – wie eine verkehrte Inklusions-Trophäe ohne praktischen Nutzen.“
Sie unterstrich zudem, dass gerade die Gewalt gegen indigene Gemeinschaften ein ernstes Thema sei – und deshalb klar benannt werden müsse: „Gerade deshalb ist es so wichtig, gezielt Aufmerksamkeit darauf zu lenken – und nicht den ursprünglichen Fokus zu verwässern.“
Auch andere Nutzer äußerten ähnliche Bedenken: „Es ist extrem wichtig, auf vermisste und ermordete indigene Frauen aufmerksam zu machen – aber warum wird das mit LGBT zusammengeworfen? Das sind Opfer, keine Identität. Ich frage mich, wie sich schwule und lesbische Menschen fühlen, wenn ihre Identität mit praktisch jeder denkbaren Opfergruppe vermischt wird.“
Gefahr der Verwässerung
Ein weiterer Kritikpunkt: Solche Akronyme könnten das Gegenteil von Inklusion bewirken. „Solche Begriffe isolieren die Gesellschaft immer mehr, statt sie zusammenzubringen“, schrieb ein Nutzer.
Ein anderer spottete über die schiere Länge: „Das sind 15 Zeichen und ein Symbol – also mehr als die halbe Länge des Alphabets.“
Der zentrale Vorwurf lautet: Je länger und komplexer die Begriffe werden, desto unverständlicher werden sie – und desto mehr verliert das ursprüngliche Anliegen an Klarheit und Wirkung.
Worum es geht
Gazan verwendete das Akronym im Zusammenhang mit Kritik an massiven Budgetkürzungen. Sie sprach von Milliardenbeträgen, die bei Programmen für indigene Gemeinschaften gestrichen worden seien. Dabei warf sie der Regierung vor, beim Schutz gefährdeter Gruppen zu versagen – und sprach sogar von einem fortdauernden „Völkermord“ an den Betroffenen.
Doch die Debatte über Fördergelder ist in der Zwischenzeit in den Hintergrund gerückt. Im Mittelpunkt steht nun die Sprache selbst – und die Frage, ob politische Kommunikation hier an einem Punkt angekommen ist, an dem sie sich selbst unverständlich macht.

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