Freitagnacht, es ist kurz nach halb elf, als eine 16-Jährige auf der Dr.-Anton-Schneider-Straße in Dornbirn attackiert wird. Im Bereich der Fahrradunterführung bei der Kreuzung Edlach geht ein unbekannter Täter auf das Mädchen los. Sie erleidet mehrere oberflächliche Verletzungen im Bauchbereich – verursacht durch einen spitzen Gegenstand, möglicherweise ein Messer.
Das Mädchen reagiert besonnen. Es wehrt sich mit Fußtritten und setzt Pfefferspray ein. Der Täter flieht. Noch am selben Abend wird die Jugendliche im Krankenhaus Dornbirn behandelt und entlassen.
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Vier Tage Schweigen
Was danach passiert, macht FPÖ-Stadtrat Christoph Waibel fassungslos. Die Polizei informiert die Öffentlichkeit erst am Dienstag – vier Tage nach dem Vorfall.
Den Anstoß zur öffentlichen Diskussion gibt nicht die Polizei, sondern die Großmutter des Opfers. Sie postet auf Facebook einen privaten Zeugenaufruf. Waibel sieht ihn am Montagabend – und teilt ihn mit einer klaren Botschaft: „Wie kann es sein, dass eine Tat, die schon drei Tage alt ist, überhaupt nicht in der Öffentlichkeit ankommt – und die Polizei keine Warnung herausgibt?“
Erst daraufhin werden die Medien aktiv. Sie fragen bei der Polizei nach. Die bestätigt den Vorfall. „Dann haben die es zugegeben: Doch, das war am Freitagabend“, sagt Waibel gegenüber dem exxpress.
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„Schutz der Bevölkerung ist vorrangig“
Die offizielle Erklärung der Polizei: umfangreiche Ermittlungen über das Pfingstwochenende. Für Waibel keine ausreichende Begründung. Ermittlungstaktische Gründe könne er bei manchen Dingen nachvollziehen, sagt er. Wenn der Täter aber am ersten Abend nicht gefunden wurde:
„Ich kann bei gewissen Dingen nachvollziehen, wenn ermittlungstaktische Gründe angeführt werden. Aber wenn der Täter am ersten Abend nicht gefunden wurde, sehe ich den Schutz der Bevölkerung als vorrangig an. Wir haben dreißigtausend Bewegungen am Tag am Bahnhof – sehr viele Kinder darunter.“
Bahnhof Dornbirn: Kein Einzelfall
Für Waibel steht der Angriff nicht für sich allein. Am Dornbirner Bahnhof habe es bereits mehrfach Messerattacken gegeben. Die Politik habe das jahrelang kleingeredet.
„Der politische Mitbewerb hat immer gesagt: Die Flüchtlinge gehen ja nur aufeinander los, die österreichische Zivilgesellschaft ist nicht betroffen. Ich habe immer gesagt: Irgendwann wird das anders sein.“
Statt Konsequenzen habe man auf Deeskalation gesetzt – Tee ausschenken, Live-Musik am Bahnhof. „Das hat offensichtlich nichts gefruchtet.”
An manchen Tagen, so Waibel, herrschten am Bahnhof „echte Belagerungszustände“. Die Polizei bestätige selbst, dass der Bahnhof ein Drogenumschlagplatz sei. Eine Waffenverbotszone habe die Messeraufgriffe zwar reduziert. „Aber dass jetzt zum ersten Mal auch ein junges Mädchen, eine sechzehnjährige Vorarlbergerin, Leids tragen muss – das ist nicht mehr zu akzeptieren.“
Glück im Unglück: Das Pfefferspray
Dass die 16-Jährige ein Pfefferspray bei sich hatte, dürfte Schlimmeres verhindert haben. Waibel kommentiert das knapp: „Ich will mir gar nicht mutmaßen, was passiert wäre, wenn sie das nicht gehabt hätte.“
Waibel fordert härteres Abschiebegesetz
Im Gespräch mit dieser Redaktion fordert der FPÖ-Stadtrat klare politische Konsequenzen – auch wenn er im konkreten Fall betont: „Natürlich weiß ich nicht, wer der Täter ist. Nach der Personenbeschreibung wäre es denkbar. Es kann aber auch ein Vorarlberger sein. Deswegen spekuliere ich nicht.“
Grundsätzlich aber brauche es ein härteres Abschiebegesetz. „Wer unsere Gutmütigkeit gegenüber Menschen in Not ausnutzt, den muss man endlich loswerden. Bei der ersten schweren Straftat sofortige Ausweisung – spätestens bei der zweiten kleinen Deliktsgeschichte. Punkt, Schluss.“
Polizei am Limit – Täter lachen
Auch mehr Polizeipräsenz am Bahnhof fordert Waibel. Gleichzeitig räumt er ein, dass die Beamten bereits jetzt überlastet seien. Das eigentliche Problem liege tiefer.
„Wenn Polizisten die Drogendealer am Bahnhof namentlich kennen, sie mitnehmen – und eine halbe Stunde später stehen die wieder dort und lachen alle aus, weil fünf Gramm die berühmte Grenze ist – dann kann das so nicht weitergehen.“
Ähnliche Zustände, erzählt Waibel, gebe es auch an anderen Vorarlberger Bahnhöfen – in kleinerer Dimension, aber vergleichbar. Dornbirn steche mit dreißgtausend Bewegungen täglich besonders hervor. Für Kriminelle sei das ein Vorteil: mehr Kundenkontakt, mehr Gelegenheiten.
Schweigen auf Anweisung?
Den Verdacht, dass die späte Information kein Zufall war, spricht Waibel offen aus.
„Es ist beides – gezielt und ein Trend. Die Polizei hat von oberster Stelle Anweisungen, welche Straftaten öffentlich gemeldet werden und welche nicht. Es gibt die bekannten zwei Felder, die man ankreuzen muss: für die Öffentlichkeit bestimmt oder nicht. Es liegt nahe, dass von oberster Stelle darauf eingewirkt wird, solche Fälle im Zweifelsfall nicht an die Öffentlichkeit zu geben.“
Ob die Politik seit Jahren versuche, einen Deckel auf solche Vorfälle zu halten und zu kalmieren? Waibels Antwort: „Die Politik sowieso – außer FPÖ. Aber dass die Vorarlberger Polizei auf Führungsebene da mitspielt, das wäre zumindest einmal zu hinterfragen.“
Täter noch flüchtig – Polizei sucht Zeugen
Der Täter ist weiterhin auf der Flucht. Eine sofort eingeleitete Fahndung verlief erfolglos. Er wird beschrieben als:
- etwa 175 cm groß
- mit dunklerem Teint
- dunkler Hose
- einem schwarzen Langarmshirt mit gelb- oder orangefarbenem Schulterbereich.
Hinweise nimmt die Polizeiinspektion Dornbirn entgegen: Tel. +43 (0) 59 133 8140

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