Laut einem Bericht der Financial Times nutzt die NSA das KI-Modell „Mythos“, eine speziell entwickelte Variante von Anthropics Claude-Systemen. Demnach sollen mehrere Ingenieure des KI-Unternehmens direkt mit der Behörde zusammenarbeiten, um das Modell an spezifische Anforderungen anzupassen und dessen Einsatz technisch zu begleiten.
Nach Informationen der Zeitung wurden rund ein halbes Dutzend Anthropic-Mitarbeiter eingebunden. Unklar bleibt allerdings, in welchem Umfang diese Personen an konkreten Operationen beteiligt sind.
Weder die NSA noch Anthropic äußerten sich öffentlich zu den Vorwürfen. Auf entsprechende Anfragen reagierten beide Seiten laut Medienberichten nicht mit einer offiziellen Stellungnahme.
Fokus auf Netzwerke in geopolitischen Rivalenstaaten
Dem Bericht zufolge könnte Mythos unter anderem dazu eingesetzt werden, Schwachstellen in Netzwerken potenzieller Gegner aufzuspüren und mögliche Zugangswege für Cyberoperationen zu identifizieren.
Als Beispiele werden Staaten wie China oder der Iran genannt, die aus Sicht Washingtons zu den wichtigsten strategischen Rivalen zählen.
Ein Insider beschrieb den Ansatz gegenüber der Zeitung mit den Worten: „Der beste Weg, eine gute Verteidigung aufzubauen, ist, einen guten Angriff aufzubauen.“
Die Grundidee dahinter: Wer die Methoden potenzieller Angreifer versteht und selbst anwenden kann, sei besser in der Lage, eigene Systeme abzusichern.
Anthropic verweist auf globale Konkurrenz
Innerhalb der Technologiebranche sorgt die Zusammenarbeit für Diskussionen. Anthropic soll die Kooperation unter anderem damit begründen, dass andere Staaten vergleichbare Technologien ebenfalls für sicherheitsrelevante Zwecke entwickeln würden.
Was steckt hinter Claude Mythos?
Mythos wurde von Anthropic Anfang April vorgestellt. Das Modell gilt als außergewöhnlich leistungsfähig im Bereich der Cybersicherheit. Nach Angaben des Unternehmens verfügt das Modell über besondere Fähigkeiten bei der Analyse komplexer IT-Systeme, dem Auffinden von Sicherheitslücken sowie der Identifikation möglicher Angriffspfade.
Wegen dieser Fähigkeiten wurde der Zugang zunächst stark eingeschränkt. Ursprünglich erhielten ausschließlich ausgewählte Organisationen aus dem Bereich der Cybersicherheit Zugriff auf das System.

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