„Marterbauers Budgetrede ist eine Wohltat. Eine kluge politische Rede, fundiert und ruhig. Was für ein Unterschied zu seinen Vorgängern“, postete der linke Journalist auf Bluesky. Der Finanzminister bedankte sich prompt: „Danke für die Blumen.“ Ganz so ruhig, wie Klenk die Rede empfand, ging es im Hohen Haus freilich nicht zu. Marterbauer teilte selbst kräftig aus.

„Danke für nichts“ gegen „Danke für die Blumen“

Der SPÖ-Politiker machte die frühere türkis-grüne Regierung für die angespannte Budgetlage verantwortlich. Nicht gegenfinanzierte Steuersenkungen und Ausgabenerhöhungen würden den Staatshaushalt noch Jahre belasten. „Nach Berechnungen des Fiskalrats belasten die nicht gegenfinanzierten Maßnahmen der Vorgängerregierung unser Budget 2028 noch immer mit 15 Milliarden Euro. Danke für nichts!“, schoss der Minister Richtung Ex-Regierung.

„Ziele zu wenig ambitioniert“

Die Opposition sparte ebenfalls nicht mit Kritik. Die FPÖ sprach von einem „Dokument des budgetären Stillstands“ und warf der Regierung vor, notwendige Strukturreformen zu verweigern. Die Grünen wiederum kritisierten ein Budget, das „bei der Zukunft kürzt“. Parteichefin Leonore Gewessler bezeichnete den geplanten Abbau klimaschädlicher Subventionen als „Luftnummer“.

Auch die Arbeiterkammer kritisiert

Kritik kam sogar von Marterbauers früherem Arbeitgeber. Die Arbeiterkammer begrüßte zwar Investitionen in Pflege und Kindergärten, bemängelte aber eine unausgewogene Lastenverteilung. Vermögende würden geschont, während andere Bevölkerungsgruppen stärker belastet würden.

„Profitgier“ als Inflationstreiber?

Für Diskussionen sorgten auch Marterbauers Aussagen zur Teuerung. Neben Energie- und Rohstoffpreisen machte er internationale Konzerne verantwortlich, die den Krieg für höhere Gewinne genutzt hätten. Die Inflation sei teilweise „menschengemacht“ und von „Profitgier“ getrieben. Widerspruch kam von Agenda-Austria-Chef Franz Schellhorn. Er bezeichnete diese Sicht als „steile These“ und verwies darauf, dass Löhne und Pensionen deutlich stärker gestiegen seien als die Unternehmensgewinne. Die Erzählung vom „gierigen Unternehmer“ als Haupttreiber der Inflation lasse sich mit den Daten nur schwer belegen.

„Ruhige“ Zustimmung von Regierungspartnern

Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) verteidigte das Doppelbudget als „großen Wurf“. Auch SPÖ-Chef Andreas Babler und NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger hoben die Investitionen in Bildung, Pflege und Familien hervor. Während Klenk also unter anderem eine „kluge, fundierte und ruhige Rede“ hörte, blieb bei vielen anderen vor allem eines hängen: ein Sparbudget, heftige Schuldzuweisungen und die Aussicht auf deutlich unruhigere Zeiten.