Der Hintergrund: Weltweit stehen laut Einschätzung derzeit „zehn bis 15 Prozent weniger Öl und Gas“ zur Verfügung. Für Fratzscher ist das keine abstrakte Zahl, sondern ein klares Warnsignal. Wenn weniger Energie vorhanden ist, müsse auch der Verbrauch sinken. Autofreie Sonntage wären aus seiner Sicht ein schneller Hebel, um den Spritverbrauch deutlich zu reduzieren – ohne sofort tief in den Alltag einzugreifen.

Gleichzeitig kritisiert er bestehende Maßnahmen scharf. Subventionen wie Tankrabatte würden den gegenteiligen Effekt haben und den Verbrauch künstlich hoch halten. Stattdessen brauche es klare Signale zum Sparen – auch wenn diese unpopulär seien.

Autofreier Sonntag: Rückkehr eines alten Modells

Die Idee ist nicht neu: Bereits während der Ölkrise wurden Straßen zeitweise für Autos gesperrt. Heute könnte ein ähnliches Modell erneut greifen – zumindest als temporäre Notmaßnahme. Ziel wäre es, Treibstoff zu sparen und die Versorgung zu stabilisieren.

Auch die Preisentwicklung erhöht den Druck. Fratzscher hält einen Dieselpreis von bis zu drei Euro für realistisch. Gleichzeitig warnt er vor möglichen Engpässen – etwa beim Flugverkehr, wo Kerosin knapp werden könnte. Autofreie Sonntage wären damit nicht nur Symbolpolitik, sondern Teil eines größeren Sparpakets.

Klare Absage an Tempolimit 100

In Österreich stößt die Debatte vorerst jedoch auf Ablehnung. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer setzt nicht auf Verbote, sondern auf Eigenverantwortung. „Wir haben eine Preiskrise, aber keine Versorgungskrise“, stellt er im Interview mit dem Kurier und der Kleinen Zeitung klar.

Ein Tempolimit von 100 km/h oder autofreie Tage dürften für ihn derzeit kein Thema sein. Stattdessen will die Regierung auf den Ausbau erneuerbarer Energien und eine stabilere Versorgung setzen. Ob autofreie Sonntage tatsächlich kommen, ist daher noch offen.