Im Zentrum steht Timur Minditsch, ein langjähriger Vertrauter Selenskyjs aus gemeinsamen Zeiten bei Kwartal 95. Bereits vor Monaten veröffentlichten ukrainische Antikorruptionsbehörden Mitschnitte aus einer Kiewer Wohnung. Darin ging es um mutmaßliche Veruntreuung von rund 100 Millionen Dollar beim Staatsunternehmen Energoatom. Während einige Beteiligte festgenommen wurden, setzte sich Minditsch nach Israel ab.

Selenskyis Umfeld im Visier

Nun veröffentlichte die Ukrajinska Prawda weitere Aufnahmen. Diese legen nahe, dass Personen aus Selenskyjs Umfeld erheblichen Einfluss auf wichtige Entscheidungen im Energie-, Banken- und Verteidigungssektor hatten – also genau dort, wo Milliarden westlicher Hilfsgelder fließen.

Zugang dank Machtzirkel

Besonders brisant ist die Rolle des Rüstungsunternehmens Fire Point. Das Unternehmen entwickelte sich innerhalb weniger Jahre vom Medienbetrieb zum wichtigen Hersteller von Raketen und Kampfdrohnen. Laut den Aufnahmen soll Fire Point durch direkte Kontakte zum inneren Machtzirkel Zugang zu staatlichen Aufträgen und Finanzmitteln erhalten haben.

Minditsch als Einflüsterer

Demnach soll Minditsch trotz fehlender offizieller Funktion Einfluss auf Entscheidungen im Verteidigungsministerium genommen haben, wie die Berliner Zeitung berichtet. Diskutiert worden seien unter anderem höhere staatliche Förderungen sowie millionenschwere Investoren-Deals aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Selenskyi blieb still

Die Vorwürfe wiegen schwer: Sollte sich der Verdacht bestätigen, könnte westliche Militärhilfe indirekt ein System gestützt haben, in dem politische Nähe wichtiger war als öffentliche Kontrolle. Offiziell bestätigt sind die Mitschnitte bislang nicht. Fire Point spricht von einem „Informationsangriff“, die ukrainischen Antikorruptionsbehörden schweigen. Auch Präsident Selenskyj hat sich bisher nicht öffentlich geäußert.

Drohen personelle Folgen?

Der politische Druck wächst dennoch. Oppositionspolitiker fordern Konsequenzen, selbst innerhalb von Selenskyjs Partei werden inzwischen personelle Folgen diskutiert. Kritiker sehen darin ein Zeichen dafür, dass Korruption im ukrainischen Machtapparat trotz des Krieges weiterhin ein ernstes Problem bleibt.