Der Titel der Studie lautet „Erhebung der Bürokratiebelastung sowie von Deregulierungspotenzialen in Österreich“. Laut der parlamentarischen Anfragebeantwortung wurde der Auftrag am 2. Februar 2026 vergeben. Die Ergebnisse sollen im Juni veröffentlicht und anschließend öffentlich zugänglich gemacht werden.

Trotz tausender Vorschläge nun externe Expertise

Brisant ist die Beauftragung auch deshalb, weil die von Schellhorn eingerichtete Servicestelle für Entbürokratisierungs- und Deregulierungsanliegen (SEDA) bereits tausende Vorschläge gesammelt hat. Laut Angaben aus dem Umfeld des Staatssekretärs gingen bisher rund 4.700 Einmeldungen von Bürgern und Unternehmen ein.

Dennoch setzt Schellhorn zusätzlich auf externe Experten. Gegenüber Heute erklärte sein Büro, man wolle „schwarz auf weiß sehen“, wo Bürger und Betriebe besonders stark durch Bürokratie belastet würden. Die Studie solle als wissenschaftliche Grundlage für den angekündigten Entbürokratisierungsbericht dienen.

Nur 14 von 113 Maßnahmen umgesetzt

Die Debatte kommt zu einem heiklen Zeitpunkt. Erst im Dezember präsentierte die Bundesregierung ein großes Entbürokratisierungspaket mit 113 Maßnahmen. Dieses wurde als erster großer Schritt zur Entlastung von Unternehmen und Bürgern angekündigt.

Wie Die Presse zuletzt berichtete, wurden von diesem Paket bislang lediglich 14 Maßnahmen umgesetzt. Gleichzeitig arbeitet Schellhorn bereits an einem zweiten Reformpaket, das noch vor dem Sommer präsentiert werden soll.

Auch parlamentarische Anfragen thematisierten zuletzt, warum bereits neue Maßnahmen vorbereitet werden, obwohl große Teile des ersten Pakets noch offen sind.

Verbindung zu Schellhorn sorgt für Fragen

Besonders bemerkenswert ist jedoch die personelle Konstellation rund um die Studie.

EcoAustria wird von der Ökonomin Monika Köppl-Turyna geleitet. Sie ist Direktorin und wissenschaftliche Leiterin des Instituts.

Wie Heute berichtete, sitzt Köppl-Turyna gleichzeitig im „Beirat zur Entbürokratisierung und Deregulierung“ des Staatssekretärs und wird auf der Website von EcoAustria zudem als Beraterin Schellhorns geführt. Das Büro des Staatssekretärs betont allerdings, dass ihre Tätigkeit im Beirat ehrenamtlich erfolge und die Beauftragung an EcoAustria als Institution vergeben worden sei.

Wirtschaft fordert mehr Tempo

Der Druck auf Schellhorn wächst unterdessen von mehreren Seiten. Wirtschaftskammern, Branchenvertreter und Unternehmen verlangen seit Monaten schnellere Verfahren, weniger Meldepflichten und mehr Digitalisierung. Erst Mitte Mai wurden bei einem Entbürokratisierungsgipfel in der Steiermark erneut Forderungen nach beschleunigten Genehmigungen und weniger „Gold-Plating“ erhoben.

Bereits bei der Präsentation des ersten Maßnahmenpakets hatte die Bundesregierung argumentiert, dass Bürokratie Österreich jährlich Milliarden koste und den Wirtschaftsstandort belaste. Zu den angekündigten Maßnahmen gehörten etwa schnellere Großverfahren, höhere Buchführungsgrenzen und vereinfachte Genehmigungen.

Ob die nun beauftragte Studie tatsächlich neue Impulse liefert oder lediglich bereits bekannte Probleme wissenschaftlich bestätigt, wird sich spätestens mit der Veröffentlichung im Juni zeigen. Für Kritik sorgt jedoch schon jetzt die Frage, warum zusätzliche Steuergelder für externe Analysen ausgegeben werden, obwohl gleichzeitig tausende Vorschläge aus der Bevölkerung vorliegen und große Teile der angekündigten Reformen noch nicht umgesetzt sind.