Nach der Grundsatzeinigung über das Doppelbudget 2027/28 werden die familienpolitischen Details klarer – und die sind für viele Familien alles andere als erfreulich.

Familienministerin Claudia Bauer (ÖVP) bestätigte am Dienstag, dass der Familienbonus für Familien, in denen beide Elternteile erwerbstätig sind, unangetastet bleibt. Wer sich jedoch dafür entscheidet, die Kinder selbst zu Hause zu betreuen, soll künftig nur noch den halben Bonus erhalten. Das sei die aktuelle „Verhandlungsgrundlage”, konkrete Details sind noch offen. Hinzu kommt, dass die automatische Anpassung der Familienbeihilfe an die Inflation ein weiteres Jahr ausgesetzt wird.

SPÖ bekommt, was sie wollte – auf Kosten der Alleinverdiener

Der Familienbonus Plus kostet den Staat derzeit rund 2,1 Milliarden Euro pro Jahr. Die geplante Einsparung von 130 Millionen Euro mag gering erscheinen, trifft aber gezielt eine bestimmte Gruppe von Familien hart. Künftig soll in Familien, in denen ein Elternteil nicht erwerbstätig ist und sich zu Hause um die Kinder kümmert, nur noch ein Elternteil seinen Anteil am Bonus geltend machen können.

Das bedeutet konkret: Wer sich bewusst dafür entscheidet, die eigenen Kinder selbst zu betreuen, soll vom Staat finanziell bestraft werden. Die Koalition drückt Familien somit ein Lebensmodell auf: Die Eigenbetreuung wird zur Kostenfalle. Der SPÖ war der Familienbonus seit jeher ein Dorn im Auge, galt er doch als eine der zentralen Errungenschaften der Ära Kurz. Marterbauer hat nun bekommen, was er wollte. Dass die ÖVP dabei mitgespielt hat, ist mehr als überraschend.

Valorisierung ausgesetzt, FLAF-Beitrag gesenkt – mit Haken

Auch bei den Geldleistungen wird gespart: Wie schon in diesem Jahr wird die automatische Valorisierung der Familienbeihilfe erneut ausgesetzt, sodass eine Anpassung an die Inflation ein weiteres Mal ausfällt. Zwar soll der Dienstgeberbeitrag zum Familienlastenausgleichsfonds ab 2028 von 3,7 auf 2,7 Prozent sinken, doch gleichzeitig soll die bisherige Beitragsbefreiung für über 60-jährige Arbeitnehmer gestrichen werden. Das soll 500 Millionen Euro einbringen, nimmt älteren Arbeitnehmern jedoch einen zentralen Beschäftigungsanreiz. Arbeiterkammer und Familienverbände laufen bereits dagegen Sturm.

Kindergartenausbau und Integrationspflichten-Gesetz

Auf der positiven Seite stehen zusätzliche Investitionen in die Kinderbetreuung: 210 Millionen Euro sollen in den Ausbau der Elementarpädagogik fließen, speziell für das verpflichtende zweite Kindergartenjahr. Zudem soll noch vor dem Sommer das lange umstrittene Integrationspflichten-Gesetz gemeinsam mit einem ersten Teil der Sozialhilfe-Reform beschlossen werden: Die volle Sozialhilfe soll künftig erst nach Erfüllung von Integrationspflichten zustehen. Bauer sieht in den Verhandlungen dazu „Bewegung”.