Die Meldung über einen groß angelegten US-Militärschlag gegen Venezuela (Exxpress berichtete) und die angebliche Gefangennahme von Präsident Nicolás Maduro sowie dessen Ehefrau hat in Lateinamerika am Samstag unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Die ersten Regierungschefs melden sich zu Wort: Während Kolumbien Kritik übte und Truppen an die Grenze verlegt, feiert Argentinien das Ende des chavistischen Regimes. In Caracas hat die Militärführung bereits den Verteidigungszustand ausgerufen.

Kolumbien: Militärische Mobilisierung und Sorge um regionale Stabilität

Als direktes Nachbarland reagierte Kolumbien unter Präsident Gustavo Petro als erstes Land in der Region mit äußerster Besorgnis. Petro verurteilte die Aktion Washingtons als “Aggression gegen die Souveränität” Lateinamerikas und warnte vor einer drohenden humanitären Krise. Noch in der Nacht äußerte er sich auf der Plattform X:

“Das Land nimmt eine Position ein, die auf die Wahrung des regionalen Friedens ausgerichtet ist, und macht einen dringenden Aufruf zur Deeskalation, indem es alle beteiligten Parteien auffordert, Handlungen zu unterlassen, die die Konfrontation vertiefen, und den Dialog sowie diplomatische Kanäle zu bevorzugen.”

Präventiv ordnete Petro die Verlegung von Militäreinheiten an die 2.219 Kilometer lange Grenze an, um die Stabilität zu wahren und auf mögliche Migrationsbewegungen zu reagieren. Die Lage gilt als hochgradig volatil, da in der Grenzregion die binationale Guerillagruppe ELN operiert, die eng mit dem Drogenhandel verflochten ist. Petro kommunizierte diese Maßnahme wie folgt: “Als vorbeugende Maßnahme hat die nationale Regierung in Abstimmung mit den lokalen Behörden und den zuständigen Stellen Maßnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung, zur Wahrung der Stabilität an der kolumbianisch-venezolanischen Grenze und zur rechtzeitigen Deckung etwaiger humanitärer oder migrationspolitischer Bedürfnisse ergriffen.”

Für Petro steht im Wahljahr 2026 politisch viel auf dem Spiel, da er bereits mehrere diplomatische Krisen mit Donald Trump hinter sich hat und nun die Sicherheit Kolumbiens durch das Machtvakuum im Nachbarland gefährdet sieht.

Argentinien: "Viva la libertad carajo"

Im scharfen Kontrast zur kolumbianischen Zurückhaltung feierte der argentinische Präsident Javier Milei die Nachricht über die Festnahme Maduros. Milei, der Maduro wiederholt als “narkoterroristischen Diktator” bezeichnet hatte, setzte auf X ein deutliches Zeichen der Unterstützung für den US-Kurs: “LA LIBERTAD AVANZA. VIVA LA LIBERTAD CARAJO.” Auf Deutsch heißt das so viel wie: “Die Freiheit schreitet voran, lang lebe die Freiheit, verdammt.”

Damit unterstreicht Argentinien seine Rolle als engster Verbündeter der neuen US-Administration in der Region und bricht offen mit dem Konsens der territorialen Integrität, den andere lateinamerikanische Staaten betonen.

Venezuela: Caracas ruft zum "Widerstand" auf

In Venezuela selbst herrscht nach den Bombardements auf strategische Ziele wie die Militärbasis Fuerte Tiuna und dem vermeintlichen Ausflug des Präsidenten Maduros der Ausnahmezustand. Verteidigungsminister Vladimir Padrino López wandte sich in einer offiziellen Ansprache an das Volk und die Streitkräfte (FANB), um auf den “Ruf der Ehre, der Pflicht und der Geschichte” zu antworten.

López bezeichnete die Invasion als “weit entfernt von einem Kampf gegen den Narcoterrorismus” und sprach von der rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, den US-Angriff als völkerrechtswidrig zu verurteilen. Die venezolanische Regierung erklärte, sie werde sich “nicht vor dem imperialistischen Druck beugen”. Vor der internationalen Gemeinschaft betonte Vladimir Padrino Lopez die Entschlossenheit der Nationalen Streitkräfte, ihre gesamten Kapazitäten im gesamten Staatsgebiet einzusetzen.

Parallel dazu verurteilte die in Caracas ansässige Behörde SUMAR (Superintendencia Municipal de Administración y Recaudación) die Angriffe als “Akt imperialistischer Piraterie”. In einem Statement hieß es: “Die Angriffe stellen eine schwerwiegende Verletzung der Charta der Vereinten Nationen dar, eine ungerechtfertigte einseitige Aggression gegen einen Mitgliedstaat der Vereinten Nationen.”

Noch keine aktuelle Reaktion aus Brasilien

Auch der zweite große Nachbarstaat, Brasilien, blickt mit extremer Skepsis auf das Vorgehen der USA. Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat sich zu den tagesaktuellen Ereignissen noch nicht geäußert, hatte jedoch bereits am 20. Dezember in einer vorausschauenden Warnung betont, dass eine Militärintervention eine “humanitäre Katastrophe” wäre. Lula zog dabei einen historischen Vergleich:

“Vier Jahrzehnte nach dem Falklandkrieg wird der Kontinent erneut durch die militärische Präsenz einer Macht bedroht”, erklärte der brasilianische Staatschef mit Blick auf die US-Flottenpräsenz in der Karibik .Lula, der sich zuvor als Vermittler zwischen Trump und Maduro angeboten hatte, sieht in dem Angriff einen gefährlichen Präzedenzfall für ganz Südamerika.