Barbara Blaha, Gründerin des Momentum-Instituts, hat bei „Message Macht Medien“ auf krone.tv zu einer Reihe kontroverser Themen Stellung genommen – von Melissa Naschenwengs umstrittenem Sicherheits-Sager über Migration und Gewalt bis hin zur Krise der Sozialdemokratie und ihrer Kritik am Wirtschaftswachstum.
Blaha zu Naschenweng: „Ich kenne eigentlich keine Frau, die das nicht kennt“
Für Aufsehen hatte zuletzt Schlagersängerin Melissa Naschenweng gesorgt. In einem Interview hatte sie erklärt, sie habe „Angst im eigenen Land“ und fühle sich als Frau nachts nicht sicher.
Blaha zeigte dafür grundsätzlich Verständnis. Sie betonte, dass Sicherheitsvorkehrungen für Frauen alltägliche Realität seien.
„Ich kenne eigentlich keine Frau, die nicht zahlreiche Vorkehrungen trifft, um abends sicher nach Hause zu kommen“, sagte sie.
Frauen würden etwa den Schlüssel zwischen den Fingern halten, Freundinnen ihren Standort mitteilen, lieber ein Taxi nehmen oder die Straßenseite wechseln, wenn ihnen jemand folge. „Ich kenne eigentlich keine Frau, die das nicht kennt“, so Blaha.
Ihr Befund fällt deutlich aus: „Keine Frau fühlt sich nachts sicher.“ Das sei kein Wiener oder Grazer Phänomen, sondern ein Problem, das Frauen weltweit kennen würden.
Migration spielt eine Rolle – aber nicht die entscheidende
Auf die Frage, ob Migration bei Gewalt gegen Frauen eine Rolle spiele, räumte Blaha ein, dass es auch hier problematische Entwicklungen gebe.
„Ich glaube, dass wir bei dem Thema Migration natürlich auch das Thema haben, dass wir zum Teil Männer haben, die ein extrem problematisches Frauenbild haben.“
Gleichzeitig warnte sie davor, die Debatte darauf zu verengen.
„Der allergrößte Teil der Männergewalt gegen Frauen hat mit Migration tatsächlich nichts zu tun“, erklärte Blaha. Wer ausschließlich auf Migration blicke, verliere die gesamtgesellschaftlichen Ursachen von Gewalt gegen Frauen aus dem Blick.
Blaha über die Krise der Sozialdemokratie
Auch die Entwicklung der europäischen Sozialdemokratie war Thema des Gesprächs. Für Blaha liegt ein wesentlicher Grund für die Krise in einem Vertrauensverlust gegenüber den traditionellen Arbeiterparteien.
„Wenn die sozialdemokratischen Parteien über einen langen Zeitraum vergessen, für wen sie eigentlich da sind und für wen sie eigentlich kämpfen sollten, dann reagieren natürlich auch die Wähler.“
Viele sozialdemokratische Parteien hätten sich von ihren ursprünglichen Zielgruppen entfernt. Diesen „Vertrauensbruch“ bezeichnete Blaha als einen zentralen Grund dafür, warum sozialdemokratische Parteien in vielen europäischen Ländern an Zustimmung verloren hätten.
„Hin und wieder“ müsse man auch Dinge sagen, die als radikal gelten
Besonders interessant wurde es, als Moderator Gerald Fleischmann das Konzept des sogenannten „Boundary Work“ ansprach – also den Versuch, die Grenzen des politisch Sagbaren zu verschieben.
Blaha bestätigte, dass politische Kommunikation genau davon lebe.
„Und wie schiebe ich das Fenster in diese Richtung? Indem ich hin und wieder auch etwas sage, das das ganze Fenster ordentlich in eine Richtung verschiebt. Und das mache ich, indem ich Dinge sage, die eigentlich als radikal gelten.“
Solche Aussagen seien Teil dessen, was in der Politikwissenschaft als Verschiebung des „Overton-Fensters“ beschrieben werde – also jener Grenzen dessen, was gesellschaftlich als akzeptabel gilt.
Scharfe Kritik am Wachstumsdogma
Besonders deutlich wurde Blaha beim Thema Wirtschaftswachstum. Sie kritisierte die aus ihrer Sicht übermäßige Fixierung auf das Bruttoinlandsprodukt als Maß aller Dinge.
„Die religiöse Anbetung des Wirtschaftswachstums als einzige Kategorie, die uns wichtig ist, die halte ich für ein Problem.“
Wachstum sei nicht automatisch etwas Positives.
„Wachstum an sich ist keine Maßzahl, die für sich per se immer positiv ist“, sagte sie und lieferte das wohl markanteste Zitat des gesamten Gesprächs nach:
„Ein Tumor wächst auch.“
Für Blaha müsse die entscheidende Frage daher nicht lauten, ob Wachstum stattfinde, sondern welche Art von Wachstum gesellschaftlich erwünscht sei und welchen Nutzen es tatsächlich stifte.

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