Unter der Überschrift „Nius, Apollo News und jetzt die AfD?? Nazis aus Kreuzberg vertreiben!“ erklären die anonymen Verfasser den Zuzug von ihnen als rechts eingestuften Institutionen nach Berlin-Kreuzberg zur „Kampfansage“. Ihr erklärtes Ziel: Den Betroffenen soll die Arbeit im Bezirk unmöglich gemacht werden.
Geschäftsadressen der Redaktionsräume veröffentlicht
Dabei bleibt es nicht bei verbalen Attacken. In dem Beitrag werden Details und Geschäftsadressen der Redaktionsräume von Nius und Apollo News sowie Informationen zur geplanten Bundeszentrale der AfD veröffentlicht. Nius-Chef Julian Reichelt wird darin persönlich als „Täter“ bezeichnet.
Journalisten nach Feierabend ausspähen
Besonders bedrohlich ist das Ende des Schreibens. Dort werden Aktivisten aufgefordert, sich mit Nachbarn rund um die betroffenen Gebäude zu organisieren, zu recherchieren, wohin sich die Betroffenen „nach Feierabend hinbegeben“, und anschließend „aktiv“ zu werden, schreibt Apollo News. Wörtlich heißt es: „Jetzt liegt es an allen Antifaschist*innen in Kreuzberg, den Faschos das Leben hier zur Hölle zu machen.“ Zudem wird behauptet, jede Aktion sei notwendig, um eine angebliche „rechte Raumnahme“ zu verhindern. Auch frühere körperliche Attacken gegen Journalisten werden in dem Schreiben offenbar gutgeheißen. Über einen Vorfall in Erfurt, bei dem Reporter angegriffen worden sein sollen, schreiben die anonymen Autoren von einer „antifaschistischen Belehrung mit ein paar Schellen“.
Bereits zuvor Attacken auf Reporter
Der Gewaltaufruf kommt nicht aus dem Nichts. Laut dem Bericht war kurz zuvor das Schlüsselloch der Redaktionsräume von Apollo News verklebt worden. In der Nachbarschaft seien zudem Plakate gegen das Medium aufgetaucht, auf denen vor angeblichen „Nazi-Kadern“ gewarnt werde. Am Wochenende sollen außerdem mehrere Reporter von Apollo News bei Protesten in Erfurt verfolgt und körperlich attackiert worden sein. Auch Journalisten anderer rechter Medien seien demnach von Gewalt betroffen gewesen.
Mit dem neuen anonymen Schreiben erreicht die Einschüchterung eine neue Stufe: Journalisten und politische Akteure werden nicht nur öffentlich zu Feindbildern erklärt – Aktivisten werden ausdrücklich dazu aufgefordert, ihr Umfeld zu beobachten und herauszufinden, wohin sie sich nach Dienstschluss begeben.

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