Bauernbund mobilisiert über 1.000 Bäuerinnen und Bauern. Rechte Gegendemo floppte
Klare Ansagen durch Bauernbundobmann Pernkopf: „Brauchen eine Trendwende“
Volle Reihen, breite Unterstützung und klare Botschaften. Der Bauernbund machte am Samstag in Wieselburg unmissverständlich klar, wofür die größte bäuerliche Interessenvertretung steht und ebenso deutlich, wovon sie sich abgrenzt. Im Mittelpunkt des Bauerntages standen dabei konkrete politische Forderungen und der Ruf nach einer Trendwende. Bauernbundobmann Stephan Pernkopf forderte einen sofortigen Importstopp für Lebensmittel, die nicht den heimischen Standards entsprechen. Gleichzeitig sprach er sich für eine rasche Ausweitung der Herkunftskennzeichnung aus, um Konsumenten mehr Transparenz zu bieten und die heimische Landwirtschaft zu stärken. Rückendeckung erhielt Pernkopf dabei von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner sowie von Bundeskanzler Christian Stocker. Beide betonten die Wichtigkeit einer starken heimischen Landwirtschaft und die Notwendigkeit fairer Wettbewerbsbedingungen für Österreichs Bauernfamilien. Angesichts des Klimawandels, der besonders im Osten Niederösterreichs verheerende Auswirkungen hat, kündigte Mikl-Leitner weitere Bewässerungsprojekte an. Stocker wiederum sicherte den Bauern zu: Mit der ÖVP gibt es keine eigentumsfeindlichen Steuern. Abschließend machte Pernkopf klar, dass die Volkspartei wieder auf Sieg spielen muss, um wieder Wahlen zu gewinnen.
Rechte Gegendemo floppte
Vor dem Eingang der Wieselburger Messe zeigte sich ein völlig anderes Bild. Während die FPÖ derzeit in bundesweiten Umfragen Höhenflüge erlebt, wurde am Samstag in Wieselburg deutlich, wer in der Landwirtschaft tatsächlich den Ton angibt: der Bauernbund. Beim Bauerntag in der Wieselburger Halle zeigten über 1.000 Bauernbündler aus dem ganzen Land Geschlossenheit, Stärke und politische Klarheit. Dem gegenüber stand nur eine kleine Kundgebung rechter Bauern vor dem Messegelände. Über die Kanäle der rechten Bauern wurde diese Demonstration mit Traktoren massiv beworben. Von einem “Verkehrschaos” und dem “größten Traktorkonvoi in der Geschichte Österreichs” wurde im Vorfeld von einem reichweitenstarken, oberösterreichischen Bauernpensionisten geschwärmt. Dieser wiederum erwähnte im gleichen Atemzug, dass er aber selbst nicht dabei sei. Man erhoffte sich aberhunderte Teilnehmer, doch am Samstag folgte die beinharte Ernüchterung. Laut Beobachtern versammelten sich dort lediglich wenige, überwiegend ältere Landwirte mit Traktoren. Viele davon waren aus Oberösterreich. Besonders skurril wirkte dabei der Auftritt des freiheitlichen Nationalrats und Chefs der rechten Bauern, Peter Schmiedlechner. Ein Demonstrant, gekleidet in FPÖ-Montur, klagte gegenüber dem Onlinemedium Exxpress: “Wir sind enttäuscht, dass so wenige unserem Ruf gefolgt sind. Ich hätte mir mehr Bauern erwartet, die gegen den Bauernbund demonstrieren. Von diesem selbsternannten, oberösterreichischen Bauernführer habe ich endgültig genug. Uns hetzt er in eine sinnlose Floppdemo und selber ist er zu feig, dass er dabei ist.”

Schockierte Messebesucher: „Dass Bauern gegen Bauern demonstrieren, halte ich für dumm“
Ein Messebesucher mit Familie aus dem Waldviertel zeigte völliges Unverständnis für die rechte Demo: „Dass Tierschutz-NGOs wie der VGT vor bäuerlichen Veranstaltungen demonstrieren, sind wir leider mittlerweile gewohnt. Dass jetzt aber auch schon Bauern gegen Bauern demonstrieren, halte ich für dumm. Welche andere Berufsgruppe demonstriert gegen sich selbst? Hohe Dieselpreise, fallende Erlöse, Dürre – aktuell hätten wir andere Probleme, als gegen uns selbst zu demonstrieren!“
Was der Tag über die Kräfteverhältnisse verrät
Der Samstag in Wieselburg dürfte damit eine politisch interessante Frage recht klar beantwortet haben. Trotz FPÖ-Höhenflügen in bundesweiten Umfragen und koordinierter Mobilisierung aus mehreren Bundesländern gelang es den freiheitlichen Bauerngruppen nicht, nennenswerte Teile der bäuerlichen Basis hinter sich zu versammeln. Auf der anderen Seite stand eine Messehalle mit über 1.000 Teilnehmern, prominenten Ehrengästen und einer geschlossenen politischen Botschaft.
An diesem Samstag hat die Mobilisierungskraft der stärksten, bäuerlichen Interessenvertretung, des Niederösterreichischen Bauernbundes, jene der rechten Konkurrenz deutlich in die Schranken verwiesen. Die Bauern gelten nicht umsonst als eine der letzten stabilen ÖVP-Bastionen im Land und Wieselburg hat gezeigt, dass das weiter so bleiben wird.

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