Als Favorit gilt, wie berichtet, Ex-APA-Chef Clemens Pig, der von Teilen der ÖVP und auch von SPÖ-nahen Stiftungsräten unterstützt werden soll. Doch ausgerechnet diese breite politische Unterstützung sorgt intern für Unruhe. Mehrere Stiftungsräte sollen befürchten, bei einer allzu offensichtlich parteipolitisch motivierten Entscheidung später in die Kritik zu geraten – oder gar rechtliche Konsequenzen tragen zu müssen.

Höherer Druck auf die Entscheidungsträger

Für zusätzliche Nervosität sorgte auch ein juristisches Gutachten, das an die Stiftungsräte verschickt wurde. Das entsprechende Dokument liegt dem exxpress, der berichtete, vor. Darin wird darauf hingewiesen, dass die Wahl ausschließlich nach fachlichen und sachlichen Kriterien erfolgen dürfe. Unsachliche Entscheidungen könnten unter Umständen rechtliche Folgen haben. Die Diskussion darüber verschärft den Druck auf die Entscheidungsträger zusätzlich.

Alles klar nach erster Abstimmung?

Spannend ist die Frage, ob Pig bereits im ersten Wahlgang die notwendige Mehrheit von 18 Stimmen erreicht. Gelingt das nicht, kommt es zu einer Stichwahl zwischen den beiden bestplatzierten Kandidaten. Und genau um dieses Szenario geht es hinter den Kulissen. Denn Insider halten es für möglich, dass einzelne Stiftungsräte im ersten Wahlgang noch anders abstimmen, um den Eindruck einer vorab feststehenden Entscheidung zu vermeiden. Genau jener, die seit Wochen intensiv diskutiert wird. In einer möglichen Stichwahl könnten sich die Kräfteverhältnisse dann neu ordnen.

Spielen sich Außenseiter ins Rampenlicht?

Neben Pig stehen einige andere nach Ablauf der offiziellen Nominierungsfrist im offiziellen Bewerberfeld: der ehemalige ServusTV-Chefredakteur Robert Altenburger und der frühere Geschäftsführer der Sendergruppe ProSieben.Sat1.Puls4 Österreich, Markus Breitenecker; außerdem Ex-ORF-Managerin Petra Höfer; dazu kommt Johannes Larcher, der im Management von Hulu und HBO tätig war, sowie ORF-Magazinchefredakteurin Lisa Totzauer und ORF-III-Kogeschäftsführerin Kathrin Zierhut-Kunz und Ex-ORF-Journalistin Sonja Sagmeister – exxpress-Herausgeberin Eva Schütz komplettiert das Feld. Sie lieferte, wie beschrieben, starke Ergebnisse in mehreren Online-Umfragen, speziell bei Lesern und Zusehern. Kernbotschaften ihres Konzepts: ein ORF für die Zuseher, mehr Unabhängigkeit von parteipolitischen Einflüssen, mehr Transparenz sowie eine stärkere Orientierung an den Interessen der Gebührenzahler.

Parteien zittern vor Imageschaden

Für die Parteien steht jedenfalls viel auf dem Spiel. Nach den Diskussionen um politische Einflussnahme im ORF will niemand den Eindruck erwecken, Personalentscheidungen würden ausschließlich nach Parteibuch getroffen. Gleichzeitig versuchen die politischen Lager, ihre Interessen bei der künftigen Besetzung wichtiger ORF-Positionen zu wahren. Damit entwickelt sich die Wahl des neuen Generaldirektors immer mehr zu einem Machtpoker mit offenem Ausgang. Ob es tatsächlich zur Stichwahl kommt oder der Favorit bereits im ersten Anlauf durchmarschiert, wird sich am Donnerstag zeigen. Eines ist klar: Der Kampf um die ORF-Krone war selten so nervenaufreibend wie diesmal.