Der Hintergrund ist brisant: Ende August stimmen die Isländer darüber ab, ob die bereits 2013 gestoppten EU-Beitrittsverhandlungen wieder aufgenommen werden sollen. Auslöser für die neue Dynamik sind auch geopolitische Spannungen im hohen Norden. Nach den wiederholten Grönland-Fantasien von US-Präsident Donald Trump und Aussagen seines Botschafters, Island könne sogar US-Bundesstaat werden, wächst auf der Insel die Debatte über die eigene Zukunft.

Meinl-Reisinger auf Werbetour

Bei ihrem Besuch in Reykjavík traf Meinl-Reisinger die politische Spitze des Landes, berichtet Heute – von Außenministerin Þorgerður Katrín Gunnarsdóttir über Premierministerin Kristrún Frostadóttir bis hin zu Präsidentin Halla Tómasdóttir. Ihre Botschaft war eindeutig: „Make Europe greater. Dafür wäre Island als EU-Mitglied ein Gewinn.“ Island könne Europa geostrategisch stärken, die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen und bei Zukunftsthemen wie künstlicher Intelligenz und erneuerbaren Energien eine Vorreiterrolle spielen.

Island vor historischer Entscheidung

Die Insel mit ihren rund 400.000 Einwohnern gilt wegen ihrer Lage im Nordatlantik und der zunehmenden Bedeutung der Arktis als strategisch hochinteressant. Zudem produziert Island seinen Strom und seine Wärme fast ausschließlich aus erneuerbaren Energien und gilt weltweit als Vorbild bei Geothermie und Klimaschutz.

Österreich als Vorbild

Meinl-Reisinger zog dabei auch einen Vergleich mit Österreichs EU-Beitritt. Viele hätten damals gezweifelt, heute sei klar: „Der EU-Beitritt war eine Erfolgsgeschichte.“ Kleine Staaten würden in der EU nicht geschwächt, sondern besser geschützt. Ob die Isländer das ähnlich sehen, wird sich am 29. August zeigen. Fest steht schon jetzt: Der Kampf um Europas Zukunft wird längst nicht mehr nur in Brüssel geführt – sondern auch auf der Vulkaninsel im Nordatlantik.