Das aktuelle Politik-Ranking von APA-Comm, einer Tochter der Austria Presse Agentur, untersucht monatlich die Berichterstattung in 13 österreichischen Tageszeitungen. Für April 2026 weist die Analyse Andreas Babler als medial präsentesten Politiker des Landes aus: 371 Medienbeiträge entfielen auf den SPÖ-Chef.
Auf Platz zwei folgt Finanzminister Markus Marterbauer (ebenfalls SPÖ) mit 339 Beiträgen. Erst dahinter landet Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) mit 322 Beiträgen. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖCP) kommt auf 220 Beiträge, Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) auf 184.
Anders gesagt: Wer im April österreichische Tageszeitungen aufschlug, sah zuerst Rot. Drei der fünf medienpräsentesten Politiker des Landes kamen aus der SPÖ. Nicht der Kanzler prägte medial das Bild der Regierung, sondern sein Vizekanzler.
Was nach Dominanz klingt, ist für die Sozialdemokraten allerdings nur auf den ersten Blick eine gute Nachricht.
Viel Präsenz, wenig Rückenwind
Denn diese mediale Sichtbarkeit fällt in eine Phase, in der die Regierung insgesamt massiv unter Druck steht. Je nach Erhebung sind 65 bis 67 Prozent der Österreicher mit der Arbeit der Koalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS unzufrieden. Auch in der Sonntagsfrage kommen die drei Regierungsparteien gemeinsam nur noch auf rund 46 bis unter 50 Prozent. Die FPÖ liegt in mehreren Erhebungen klar voran.
Es bleiben zwar Kompetenzinseln: Die ÖVP hält klassische Felder wie Wirtschaft, Landesverteidigung, Energieversorgung und Arbeitsplätze. Die SPÖ punktet bei Teuerung, Wohnen und Gesundheit. Die NEOS überzeugen beim Thema Schule.
Doch politisch zahlen diese Einzelwerte kaum auf das Gesamtbild ein. Kurz: Die Regierung ist ständig präsent – aber sie überzeugt immer weniger.
Babler hat die schwächsten Werte der Koalitionschefs
Besonders heikel ist das für Andreas Babler. Denn seine mediale Präsenz übersetzt sich nicht in Vertrauen.
Im OGM/APA-Vertrauensindex vom April 2026 weist Babler einen Saldo von minus 33 aus. Damit hat er unter den Parteichefs der Regierungskoalition den schlechtesten Wert: Bundeskanzler Christian Stocker liegt bei minus 5, NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger bei minus 9.
Auch im breiteren Vertrauensindex steht Babler schlecht da: Grünen-Chefin Leonore Gewessler liegt bei minus 21. Schlechter als Babler schneidet nur einer ab: FPÖ-Chef Herbert Kickl mit minus 42. Allerdings agiert Kickl in der Opposition. Babler in der Regierung.
Andere Erhebungen zeichnen ein ähnliches Bild. Bei Unique Research fiel Babler 52 Prozent der Befragten negativ auf – der schlechteste Wert unter den abgefragten Spitzenpolitikern. In Kanzlerfragen kam er teils nur auf 7 Prozent, in anderen Umfragen auf 15 Prozent.
Das ist der schmerzhafte Befund für die SPÖ: Babler bekommt Aufmerksamkeit, aber keinen Auftrieb. Er dominiert die Schlagzeilen, aber nicht die Zustimmung.
Sichtbarkeit kann zum Bumerang werden
Die APA-Comm-Auswertung liefert damit eine unbeabsichtigt treffende Momentaufnahme der Koalition: Der Kanzler regiert, doch Babler prägt das Bild. Der Finanzminister erklärt die Budgetlage, der SPÖ-Chef steht im Scheinwerferlicht – und die Regierung kommt trotzdem nicht aus dem Stimmungstief.
Was für Babler wie ein Sichtbarkeitserfolg aussehen könnte, wirkt politisch eher wie Überbelichtung. Im April wurde über keinen Politiker des Landes öfter berichtet als über ihn. Genützt hat es weder ihm noch der Koalition.
Für die Koalition ist das gefährlich. Politik wird nicht nur über Beschlüsse, Reformpakete und Budgetzahlen wahrgenommen, sondern auch über Gesichter. Und wenn das sichtbarste Gesicht einer Regierung zugleich einer ihrer unbeliebtesten Spitzenpolitiker ist, wird Medienpräsenz schnell zum Bumerang. Sichtbarkeit ist eben nicht gleich Zustimmung. Manchmal ist sie sogar das Gegenteil.

Kommentare
Lädt Kommentare...