Auch nach der Abwahl von Viktor Orbán gibt es in Ungarn weiterhin tief sitzende Bedenken hinsichtlich der Ukraine und der wirtschaftlichen Auswirkungen einer Abkehr von Energieimporten aus Russland. Einer am Donnerstag vom Politikinstitut Europäischer Rat für Auswärtige Beziehungen (ECFR) veröffentlichten Umfrage zufolge sind 53 Prozent der Ungarn dagegen, dass die Ukraine “grundsätzlich” irgendwann EU-Mitglied wird. 33 Prozent sind dafür.

54 Prozent der Ungarn sprechen sich gegen eine Wiederaufnahme der EU-Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine aus. Bei den Wählern der TISZA-Partei von Wahlsieger Péter Magyar sind 43 Prozent skeptisch. 63 Prozent lehnen eine finanzielle oder militärische Hilfe für die Ukraine ab. Und ebenfalls eine Mehrheit der Ungarn (52 Prozent) ist weiterhin nicht bereit, den EU-weiten Bemühungen zur Entkopplung der Energieversorgung von Russland nachzugeben. Nur 30 Prozent sind dafür, dass Ungarn den Kauf russischer Energieträger einstellt.

Dilemma wegen Volksabstimmung

Die Autoren des ECFR-Berichts, Piotr Buras und Pawel Zerka, sehen ein drohendes strategisches Dilemma für die neue ungarische Regierung. Da Magyar im Wahlkampf ein nationales Referendum zum EU-Beitritt der Ukraine zugesagt hat, habe er sich ihrer Ansicht nach bei einer der folgenreichsten Entscheidungen Europas “effektiv die Hände gebunden”. Die Autoren argumentieren, dass ein Sieg des “Nein” das Risiko einer erneuten Konfrontation mit der EU berge. Ein Missachten eines negativen Referendumsergebnisses würde wiederum wahrscheinlich das demokratische Mandat gefährden, das TISZA an die Macht gebracht hat.

Vor allem innenpolitische Themen – darunter Lebenshaltungskosten, öffentliche Dienstleistungen und Korruption – waren die Hauptmotivation für die Wähler, Magyar bei den jüngsten Parlamentswahlen am 12. April zu unterstützen. Zwei Drittel der TISZA-Wähler nannten entweder den Wunsch nach einer Systemreform oder Stimmungen gegen die rechtsnationale Fidesz-Partei von Orbán als Grund für ihre Wahlentscheidung. 79 Prozent der Befragten erwarten, dass die neue konservative TISZA-Regierung die Beziehungen zur EU verbessern wird. Beinahe so viele sind zuversichtlich, dass Magyar die eingefrorenen EU-Gelder freibekommen wird. Die Unterstützung für die EU bleibt hoch: 73 Prozent der Ungarn befürworten die EU-Mitgliedschaft ihres Landes, und 62 Prozent sprechen sich sogar für einen Beitritt zur Eurozone aus, die Magyar angekündigt hatte.

Die Umfrage wurde im Auftrag von ECFR zwischen dem 17. und 27. April 2026 von den Instituten Stratega Research und Mandate Research durchgeführt. Ungarnweit wurden online 1.001 erwachsene Bürgerinnen und Bürger befragt.