Nach Angaben von Diplomaten kritisierte Meloni die Pläne der spanischen Regierung, rund 500.000 bisher ohne gültigen Aufenthaltsstatus im Land lebende Migranten zu legalisieren.
Eine solche Entscheidung habe Auswirkungen über die Grenzen Spaniens hinaus und betreffe den gesamten Schengen-Raum, argumentierte die italienische Regierungschefin. Auslöser der Debatte war demnach ein Vorstoß der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen, die eine stärkere Befassung der Staats- und Regierungschefs mit Fragen der Migration forderte. Frederiksen begrüßte zudem die jüngste Zustimmung des Europaparlaments zu neuen Regeln für Abschiebungen.
Sánchez widersprach der von mehreren Regierungen vertretenen härteren Linie in der Migrationspolitik. Meloni stellte sich daraufhin hinter Frederiksen und kritisierte die aus ihrer Sicht zu großzügige spanische Regelung.
Spanien als Ausnahme innerhalb der EU
Die Auseinandersetzung erfolgte wenige Tage nach der Verabschiedung der neuen EU-Rückführungsverordnung. Diese schafft die Grundlage für sogenannte Rückführungszentren in Drittstaaten, in die abgelehnte Asylbewerber bis zu ihrer Abschiebung gebracht werden können. Menschenrechtsorganisationen und linke Parteien sehen die Pläne kritisch und warnen vor einer Schwächung des Schutzes von Migranten. Italien hat in den vergangenen Jahren zwei Rückführungszentren in Albanien aufgebaut.
Innerhalb der EU bildet Spanien in der Migrationsfrage eine Ausnahme. Die meisten EU-Länder befürworten eine Verschärfung der Migrationspolitik. Am Donnerstag wurde ein Brief von 19 EU-Staats- und Regierungschefs an die Europäische Kommission bekannt in dem die Staaten darauf drängen, Asylverfahren und Rückführungen in Drittstaaten konsequent und gemeinsam durchzuführen. Der Brief wurde neben der Unterschrift von Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) auch von den Regierungschefinnen Italiens und Dänemarks unterzeichnet. Darüber hinaus trägt er die Signaturen der Regierungschefs von Belgien, Bulgarien, Zypern, Tschechien, Estland, Griechenland, Ungarn, Lettland, Litauen, Malta, Niederlande, Polen, Rumänien, Slowakei, Slowenien und Schweden.
Spanien zählt – neben Italien und Griechenland – zu den wichtigsten Ankunftsländern für illegale Einwanderungen nach Europa.

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