Im aktuellen Polit-Barometer der Lazarsfeld Gesellschaft zeigt sich ein bemerkenswertes Bild: Während zahlreiche Spitzenpolitiker mit negativen Beliebtheitswerten zu kämpfen haben, kann sich der steirische Landeshauptmann Mario Kunasek weiterhin klar an der Spitze behaupten. Unter den Regierungsmitgliedern führt Verteidigungsministerin Klaudia Tanner das Ranking an, während SPÖ-Chef Andreas Babler den schlechtesten Wert aller abgefragten Politiker erzielt.

Für die Erhebung wurden von 1. bis 2. Juni insgesamt 1.000 Personen befragt. Das Polit-Barometer wird monatlich von der Lazarsfeld Gesellschaft für oe24 erstellt. Dabei werden positive und negative Wahrnehmungen von Politikern erhoben, aus deren Differenz sich der jeweilige Saldo ergibt. Bei den meisten abgefragten Politikern überwiegen die negativen Eindrücke.

Tanner bleibt Nummer eins im Minister-Ranking

Angeführt wird die Liste der Regierungsmitglieder erneut von Klaudia Tanner. Die niederösterreichische ÖVP-Politikerin erreicht einen Saldo von minus sechs Punkten und verteidigt damit ihre Spitzenposition. Beobachter führen dies unter anderem auf ihr konsequentes Auftreten in sicherheitspolitischen Fragen zurück.

Auf Platz zwei folgt Agrarminister Norbert Totschnig. Seine vergleichsweise gute Platzierung wird auch auf einen geringeren Bekanntheitsgrad zurückgeführt, wodurch sowohl Zustimmung als auch Ablehnung moderater ausfallen. Rang drei belegt Integrationsministerin Claudia Plakolm, die trotz eines Rückgangs um vier Punkte ihren Platz auf dem Podest behauptet.

Marterbauer stärkster SPÖ-Minister

Bester Sozialdemokrat im Ministerranking ist Finanzminister Markus Marterbauer auf Platz vier. Betrachtet man ausschließlich die positiven Nennungen, würde er sogar vor Tanner liegen. Direkt dahinter reiht sich Verkehrsminister Peter Hanke ein.

Deutlich an Zustimmung eingebüßt hat hingegen Frauen- und Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner. Nach Spitzenplatzierungen zu Jahresbeginn findet sie sich mittlerweile nur noch im Mittelfeld des Rankings wieder.

Koalitionschefs unter Druck

Weniger erfreulich fällt das Ergebnis für die Spitzen der Regierungsparteien aus. Bundeskanzler Christian Stocker erreicht einen Saldo von minus 22 Punkten und schneidet damit noch am besten unter den Parteichefs der Koalition ab. Außenministerin und NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger kommt auf minus 27 Punkte.

Besonders schlecht fällt das Urteil über Andreas Babler aus. Mit einem Saldo von minus 35 Punkten bildet er das Schlusslicht des gesamten Politiker-Rankings und ist damit der unbeliebteste abgefragte Politiker des Landes.

Kickl bester Bundespolitiker

In der Opposition präsentiert sich die Lage deutlich günstiger. FPÖ-Bundesparteiobmann Herbert Kickl erzielt als einziger prominenter Bundespolitiker einen positiven Wert. Mit einem Saldo von plus einem Punkt liegt er vor allen Regierungsmitgliedern.

Politische Beobachter verweisen jedoch darauf, dass Oppositionspolitiker derzeit keine Verantwortung für Sparmaßnahmen oder andere unpopuläre Regierungsentscheidungen tragen und dadurch leichter Zustimmung sammeln können.

Kunasek dominiert in den Bundesländern

Noch deutlich besser fällt die Stimmung für einen Landespolitiker aus. Der steirische Landeshauptmann Mario Kunasek führt das Ranking der Landeschefs mit einem außergewöhnlich hohen Saldo von plus 20 Punkten an.

Trotz Diskussionen rund um den Sparkurs des Landes, des Finanzskandals der Grazer FPÖ sowie laufender Ermittlungen gegen seine Person bleibt Kunasek in Umfragen äußerst stabil. Sein vergleichsweise frisches Image als Landeshauptmann dürfte dabei weiterhin eine wichtige Rolle spielen.

Der burgenländische Landeshauptmann Hans Peter Doskozil erreicht als einziger weiterer Landeschef einen Wert ohne negatives Vorzeichen. Alle übrigen Landeshauptleute verzeichnen laut Polit-Barometer mehr kritische als positive Rückmeldungen.