Im Zentrum stehen zwei schwere Anschläge. Im September 2025 der Anschlag auf den Technologiepark in Adlershof. Im Januar 2026 der Angriff im Südwesten der Stadt. Rund 100.000 Menschen waren im Januar ohne Strom. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) verlor darüber letztlich seine politische Zukunft. Die Verfahren laufen noch getrennt. In Sicherheitskreisen gilt aber als sicher, dass die beteiligten Zellen sich kennen.
Seit rund 15 Jahren gibt es in Deutschland immer wieder Brandanschläge auf Infrastruktur und Energieversorgung. 2011 bekannten sich erstmals sogenannte Vulkangruppen zu einem Angriff auf die Berliner S-Bahn. Seither rechnen Behörden diesem Milieu mindestens 13 Anschläge zu, darunter den großen Stromnetz-Anschlag vom Januar im Berliner Südwesten.
Razzia gegen linksextreme Szene nach Stromnetz-Anschlag
Ende März schlugen die Ermittlungsbehörden zu. 500 Polizisten durchsuchten zeitgleich 15 Objekte in Berlin sowie Adressen in Hamburg, Düsseldorf und Brandenburg. Sichergestellt wurden Mobiltelefone, Laptops, Unterlagen und weitere Speichermedien. Die Ermittlungen richten sich gegen vier Beschuldigte im Alter von 28, 31, 35 und 36 Jahren. Ihnen wird Beteiligung am Anschlag auf den Technologiepark in Adlershof vorgeworfen. Mit der Razzia habe man der linksextremen Sabotageszene einen empfindlichen Schlag versetzt, heißt es aus Ermittlerkreisen.
Vier Namen sind Teil eines Netzwerkes
Im Fokus stehen die szenebekannten Linksextremisten N., H., S. und S. Eine Gruppe aus zwei Männern und zwei Frauen. N. war vor seinem Umzug nach Berlin bereits Ziel von Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft München. Dort zählte man ihn zum Herausgeberkreis des anarchistischen Magazins „Zündlappen“. Das Blatt veröffentlichte wiederholt Anleitungen für Sabotageakte und Bekennerschreiben. N. war auch im Umfeld der anarchistischen Bibliothek Frevel in München aktiv, die im Februar 2022 durchsucht wurde. Das Landgericht München lehnte im Dezember 2025 eine Anklage ab. Bereits 2024 zog N. nach Berlin um.
In der Hauptstadt fand er Anschluss in der anarchistischen Bibliothek Kalabalik. Dort traf er die späteren Mitverdächtigen H. und S. H. lebte mindestens zeitweise in der Rigaer Straße 94, dem zentralen Szeneobjekt der linken Szene in Berlin. Dort soll sie auch den vierten Verdächtigen kennengelernt haben.
Bei der Großrazzia fanden die Beamten elektronische Geräte zur Detektion von Kameras, Wanzen und Mikrofonen. „Das war Material, auf das Geheimdienste stolz wären“, sagte ein Insider gegenüber der Welt am Sonntag.
Juristisches Tauziehen blockiert Zugriffe auf die Beweismittel
Der Anwalt einer Beschuldigten weist die Vorwürfe zurück. Die Akte ergebe keine hinreichenden Anhaltspunkte für eine strafbare Beteiligung. Es gebe Ergebnisse, die deutlich dafür sprächen, dass sich die Mandantin zur Tatzeit in erheblicher Entfernung vom Tatort aufgehalten habe. Die Ermittler bewerten das anders.
BKA-Präsident Holger Münch sagte zu den Sabotagenetzwerken: „Nach der Auslobung der Belohnung von einer Million Euro haben wir viele Hinweise erhalten. Einige waren so werthaltig, dass wir ihnen bis heute intensiv nachgehen.“
Warum greift der Staat dennoch nicht zu? Die Betroffenen der März-Razzia legten Rechtsmittel gegen die Durchsuchungsbeschlüsse und die vorläufige Sicherstellung der Datenträger ein. Die Justiz hat darüber noch nicht entschieden. Der Generalstaatsanwalt von Berlin bestätigt den Vorgang und betont, die Rechtsmittel hätten keine aufschiebende Wirkung. Die Ermittler dürften die Geräte weiter auswerten. Aus Ermittlerkreisen heißt es dagegen, das BKA könne derzeit nicht auf die Daten zugreifen. Offiziell äußern sich die Behörden zu diesem Widerspruch nicht.
Die Szene ist deutschlandweit aktiv
Die Berliner Verdächtigen ahnen offenbar, dass sie unter ständiger Beobachtung stehen. Die bundesweite Szene führt den Kampf dennoch fort. Im Juni brannte es in einem Umspannwerk in Reutlingen. Weitere Angriffe gab es in Regensburg und erst in der vergangenen Woche an der Bahnstrecke Köln-Düsseldorf.
Auch im Verfahren zum Januar-Anschlag, dem größten Stromausfall der Nachkriegszeit, verfolgt das Bundeskriminalamt inzwischen hochkarätige Spuren. Um die Ermittlungen nicht zu gefährden, werden keine Namen genannt. Klar ist: Auch hier stehen konkrete Tatverdächtige im Visier.
Dieser Beitrag ist ursprünglich auf unserem Partner-Portal NiUS erschienen.

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