„Wenn Zwölfjährige rauben, vergewaltigen oder mit Messern auf andere Menschen einstechen, dann muss man etwas dagegen tun“, sagt Bauer. Die Ministerin betont, dass Kinder grundsätzlich Erziehung und Unterstützung brauchen. Doch in besonders schweren Fällen müsse der Staat auch andere Möglichkeiten haben.

„Ja, Kinder gehören erzogen. Aber wenn Erziehung gescheitert ist, dann muss es andere Mittel geben“, erklärt Bauer.

Für sie sei es ein falsches Signal, wenn ein Täter nach einer schweren Gewalttat ohne strafrechtliche Konsequenzen wieder nach Hause gehen könne.

„Was ist das für eine fatale Botschaft an Gewalttäter, wenn ihre Opfer ins Spital geflogen werden müssen und sie unbehelligt zur Mutter nach Hause dürfen?“, fragt die Ministerin.

Sorge vor Rückkehr in die Schule

Bauer sieht nicht nur die Tat selbst als Problem, sondern auch die Folgen für das Umfeld. Besonders kritisch betrachtet sie die Situation an Schulen.

„Momentan sind Ferien. Aber unter dem Jahr würde der Täter am Montag wieder in der Schule sitzen – neben unschuldigen Kindern“, warnt sie.

Aus Sicht der Ministerin müsse der Schutz anderer Schülerinnen und Schüler stärker berücksichtigt werden.

„Zuwarten bis zum 14. Geburtstag hat nicht funktioniert“

Bauer argumentiert, dass sich schwere Fälle von Jugendgewalt in den vergangenen Jahren gehäuft hätten. Das bisherige System, bei besonders jungen Tätern abzuwarten, bis sie strafmündig werden, sei aus ihrer Sicht nicht ausreichend.

„Das Zuwarten, dass die Täter endlich 14 Jahre werden, hat sich nicht bewährt“, sagt die Ministerin.

Sie hält es mittlerweile für fahrlässig, die bestehenden Regeln nicht anzupassen.

Debatte über Jugendgewalt nimmt wieder Fahrt auf

Die Forderung nach einer Senkung der Strafmündigkeit ist in Österreich nicht neu, sorgt aber regelmäßig für heftige politische Diskussionen.

Befürworter argumentieren mit dem Schutz potenzieller Opfer und einer stärkeren Verantwortung bei schweren Gewaltdelikten. Kritiker warnen hingegen davor, Kinder zu früh in ein Strafsystem zu bringen und setzen stärker auf Prävention, Betreuung und soziale Maßnahmen.

Nach der Attacke in Wien-Favoriten dürfte die Debatte nun erneut an Fahrt aufnehmen.