Künftig könnte es deutlich schwieriger werden, Gehälter geheim zu halten. Der Entwurf sieht vor, dass Arbeitnehmer Auskunft über Durchschnittsgehälter vergleichbarer Tätigkeiten erhalten können. Zudem sollen Verbote, über das eigene Gehalt zu sprechen, unwirksam werden. Auch bei Jobanzeigen sollen Arbeitgeber künftig das Einstiegsgehalt oder zumindest eine Gehaltsspanne offenlegen müssen.

Wer verdient was?

Ziel der EU-Richtlinie ist es, die Lohnschere zwischen Männern und Frauen zu verkleinern. Unternehmen ab 100 Mitarbeitern sollen regelmäßig Einkommensberichte erstellen müssen. Ab 250 Beschäftigten wäre dies sogar jährlich vorgesehen.  Schumann betont, zahlreiche Gespräche mit Sozialpartnern seien in den Entwurf eingeflossen. Das Arbeitsministerium spricht von einer ausgewogenen Lösung und verweist darauf, dass viele größere Betriebe entsprechende Daten ohnehin bereits erheben.

Wirtschaft läuft Sturm

Doch die Wirtschaft macht mobil. Die Wirtschaftskammer kritisiert scharf, dass der Entwurf ohne Einigung der Sozialpartner in die politische Abstimmung geschickt wurde. WKÖ-Generalsekretär Jochen Danninger warnt vor einem neuen „Bürokratiemonster“, das dem Standort Österreich schaden könnte. Für Schumanns Vorgehen habe man „null Verständnis“.  Auch aus Teilen der Koalition gab es zuletzt Skepsis. Kritiker befürchten zusätzliche Berichtspflichten, höheren Verwaltungsaufwand und neue Kosten für Unternehmen.

Showdown um neue Gehaltsregeln

Brisant: Die EU-Frist zur Umsetzung läuft bereits ab. Österreich hinkt damit hinterher. Schumann hatte schon vor Tagen klargemacht, notfalls auch ohne Einigung der Sozialpartner einen Gesetzesentwurf vorzulegen. Genau das ist nun passiert.  Ob die umstrittene Reform tatsächlich kommt, wird nun innerhalb der Regierung entschieden. Klar ist aber schon jetzt: Die Diskussion darüber, wer künftig wissen darf, was der Kollege verdient, hat gerade erst begonnen.