Seit Montag bleibt das Schwimmbad jeden Montag von 18.30 bis 19.30 Uhr – direkt nach der regulären Sperrstunde – exklusiv für den Verein „Armonia“ und muslimische Frauen geöffnet. Ziel der Initiative sei es laut Betreiber Luca Lechthaler, Frauen mit Migrationshintergrund mehr Bewegung, Begegnung und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.

Schwimmen im Burkini ausdrücklich erlaubt

Während der reservierten Stunde dürfen die Besucherinnen auch im Burkini schwimmen – der Ganzkörper-Badebekleidung, die vor allem von muslimischen Frauen getragen wird. Die Teilnehmerinnen bezahlen dabei den regulären Eintritt, eine Sonderbehandlung bei den Kosten gibt es nicht, schreibt Südtirol News.

Der Betreiber verweist darauf, dass das Bad auch anderen Gruppen regelmäßig zur Verfügung gestellt werde. So gibt es unter anderem eigene Yoga-Einheiten für Frauen oder reservierte Zeiten für den Nachwuchs der örtlichen Feuerwehr auf dem Beachvolleyballplatz.

Heftiger Streit um Integration

Die Sonderregelung sorgt für politischen Zündstoff. Die Freiheitlichen kritisieren das Projekt scharf. Aus ihrer Sicht werde damit ein Frauenbild unterstützt, das für Unterdrückung, Verschleierung und Geschlechtertrennung stehe. Statt solcher Maßnahmen brauche es Integrationskonzepte, die stärker auf Eigenverantwortung und Anpassung setzen. Zudem verlangen sie Aufklärung darüber, ob derartige Projekte mit öffentlichen Geldern unterstützt werden.

„Mehr Teilhabe statt Ausgrenzung"

Rückendeckung erhält das Projekt hingegen von SVP-Senatorin Julia Unterberger. Sie betont, dass viele muslimische Frauen ohne ein solches Angebot vermutlich gar nicht ins Schwimmbad kommen würden. Die Initiative schaffe Begegnungen, ermögliche Sport und fördere die gesellschaftliche Teilhabe. Integration entstehe nicht durch Ausgrenzung, sondern durch mehr Möglichkeiten, am öffentlichen Leben teilzunehmen.

Auch Salurns Bürgermeister Roland Lazzeri sieht keinen Grund für Kritik. Da es sich um eine Entscheidung des privaten Betreibers handle, könne dieser über die Nutzung seines Bades selbst bestimmen. Ob das Modell Schule macht oder ein Einzelfall bleibt, dürfte die Debatte über Integration, Religionsfreiheit und Gleichberechtigung jedenfalls weiter anheizen.