Ein Beitrag des öffentlich-rechtlichen Senders Deutschlandfunk Kultur sorgt für Aufsehen: In einer fünfteiligen Instagram-Serie, die auf einem Kommentar des Soziologen Alexander Yendell vom Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (Leipzig) basiert, werden die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und AfD-Chefin Alice Weidel in einem Atemzug mit der verurteilten Sexualverbrecherin Ghislaine Maxwell und der NSU-Terroristin Beate Zschäpe genannt.
Der Kontext: Yendell argumentiert, der Begriff „toxische Männlichkeit” greife zu kurz. Das eigentliche Problem sei eine „narzisstische Dynamik” aus Dominanz, Abwertung und Angst – ein Muster, das nicht nur bei Männern auftrete. Soweit eine diskutable These. Was jedoch aufhorchen lässt: Als Beispiele für Frauen, die diese Muster „tragen und weitergeben”, nennt der Soziologe eben nicht nur Täterinnen wie Maxwell oder Zschäpe – sondern unvermittelt auch zwei demokratisch gewählte Regierungspolitikerinnen.
Meloni regiert Italien als Ministerpräsidentin – mit ihr auf einer Stufe: eine verurteilte Gehilfin im Kindesmissbrauch.
Der Deutschlandfunk Kultur illustrierte die entsprechende Folie mit einem Viererbild, das Maxwell, Zschäpe, Meloni und Weidel nebeneinander zeigt – alle mit ernstem Gesichtsausdruck, alle aus ähnlicher Kameraperspektive. Eine visuelle Gleichsetzung, die der Sender offenbar als journalistisch vertretbar erachtet.
Für Yendell ist das inhaltlich konsequent: Wer Dominanzstreben und Abwertung als geschlechtsübergreifende „narzisstische Dynamik” rahmt, kann politische Härte theoretisch genauso darunter subsumieren wie kriminelle Gewalt. Kritiker werden einwenden, dass diese Gleichsetzung den Begriff bis zur Unkenntlichkeit dehnt – und dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk mit Steuergeldern finanzierte Reichweite nutzt, um gewählte Politikerinnen mit Schwerverbrecherinnen in dasselbe visuelle Frame zu setzen.
Yendells eigentliche Conclusio – ein „gemeinsames Aufbegehren gegen Narzissmus, Autoritarismus und Dominanz, unabhängig vom Geschlecht” – klingt versöhnlich. Die Wahl der Beispiele aber spricht eine andere Sprache.

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