Die Wahl des nächsten ORF-Generaldirektors entwickelt sich für die Bundesregierung zunehmend zu einem politischen Debakel. Während eigentlich ein geordnetes Bewerbungs- und Auswahlverfahren laufen sollte, sorgen öffentliche Wortmeldungen führender Politiker für immer größere Zweifel an der Unabhängigkeit des Prozesses.
Den Stein ins Rollen brachte ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti. In einem Interview mit der „Presse“ ließ er durchblicken, dass er sich eine Kandidatur von APA-Chef Clemens Pig wünschen würde. Was möglicherweise als persönliche Einschätzung gedacht war, wurde innerhalb weniger Stunden zu einem politischen Problem. Schließlich läuft die Bewerbungsfrist noch, Hearings stehen erst bevor und offiziell soll der ORF-Stiftungsrat unabhängig über die künftige Führung entscheiden. Gerade deshalb wurde Marchettis Vorstoß von vielen als ungeschickte Einmischung wahrgenommen. Bereits damals war von einer Beschädigung des Verfahrens und einer Vorfestlegung auf einen Kandidaten die Rede.
Auch Mattle sorgte für Aufregung
Für Brisanz sorgte zudem auch Tirols Landeshauptmann Anton Mattle. Er erklärte öffentlich, die Entscheidung über den künftigen ORF-Chef sei letztlich eine Entscheidung des Bundeskanzlers. Auch wenn Mattle seine Aussage später in der „ZiB 2“ relativierte und betonte, er habe damit lediglich den Bund gemeint, war der Eindruck bereits entstanden: In der Öffentlichkeit gilt Pig mittlerweile als Wunschkandidat der ÖVP.

Unzufriedenheit wächst
Hinter den Kulissen wächst deshalb die Unzufriedenheit. Mehrere Funktionäre kritisieren mangelndes strategisches Gespür und fragen sich, warum die Partei ausgerechnet mitten im laufenden Verfahren politische Signale aussendet. Andere beklagen eine missglückte Kommunikationslinie der Bundespartei und sehen die Volkspartei nun in einer unnötigen Defensive.
Währenddessen positionieren sich auch die Koalitionspartner. Die NEOS machen kaum einen Hehl daraus, dass Medienmanager Markus Breitenecker als Favorit ihres politischen Lagers gilt. Die SPÖ wiederum war bislang vor allem mit dem Wunsch nach einer Frau an der Spitze des öffentlich-rechtlichen Senders in Erscheinung getreten.
Damit droht die ORF-Wahl endgültig zu einem parteipolitischen Kräftemessen zu werden. Statt eines transparenten Auswahlverfahrens prägen öffentliche Zurufe, strategische Indiskretionen und parteitaktische Manöver die Debatte.

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