Bereits ab 10 Uhr tritt der Stiftungsrat im großen Sitzungssaal zusammen. Zunächst stehen Formalitäten auf der Tagesordnung, ehe es ernst wird: Neun Kandidaten kämpfen um die Nachfolge von Roland Weißmann beziehungsweise der interimistischen Führung durch Ingrid Thurnher.

20 Minuten Zeit für Visionen

Jeder Bewerber erhält 20 Minuten Zeit, um sein Konzept für die Zukunft des ORF vorzustellen. Anschließend dürfen die Stiftungsräte Fragen stellen. Insgesamt könnten sich die Hearings damit über mehrere Stunden ziehen. Zu den Bewerbern zählen unter anderem Favorit Clemens Pig, Medienmanager Markus Breitenecker, ORF-Managerin Lisa Totzauer, Johannes Larcher, Kathrin Zierhut-Kunz, Robert Altenburger, Sonja Sagmeister, Petra Höfer und exxpress-Herausgeberin Eva Schütz.

Durchmarsch oder Stichwahl?

Frühestens gegen 14 Uhr beginnt die eigentliche Wahl. Anders als viele vermuten, erfolgt diese nicht geheim. Die 35 Stiftungsräte stimmen offen und namentlich ab. Wer Generaldirektor werden will, benötigt mindestens 18 Stimmen. Besonders spannend wird die Frage, ob Favorit Clemens Pig diese Hürde bereits im ersten Wahlgang überspringt. Gelingt keinem Kandidaten die absolute Mehrheit, kommt es zur Stichwahl zwischen den beiden Bestplatzierten. Genau dieses Szenario sorgt seit Tagen für Spekulationen hinter den Kulissen.

Unruhe im Vorfeld der Wahl

Für zusätzliche Nervosität sorgte unmittelbar vor der Wahl eine anonyme Warn-Mail an sämtliche Stiftungsräte. Darin wurden mögliche rechtliche Konsequenzen bei unsachlichen Entscheidungen thematisiert. Die ohnehin angespannte Stimmung vor der Abstimmung dürfte dadurch weiter angeheizt worden sein – der

Lesen Sie auch

Nervenkrieg Vor Orf Wahl Anonyme Warn Mail Sorgt Fuer Wirbel Bei Stiftungsraeten

berichtete. Dazu kamen die doch umverblümten Aussagen von Tirols Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP), der mehrfach über politischen Einfluss auf den

ORF

sprach – und damit Aufsehen generierte: „Öffentlich-rechtlicher Rundfunk wird natürlich auch ein Stück weit von demokratisch legitimierten Persönlichkeiten, von Politikern, auch wenn es wesentliche Entscheidungen gibt, mitgestaltet“, sagte der Politiker.

Direktoren und Geschäftsverteilung liegen ebenfalls im Fokus

Brisant: Nach der Wahl des Generaldirektors ist der Tag noch nicht vorbei. Direkt im Anschluss soll der Stiftungsrat auch über die Zahl der Direktoren und deren Geschäftsverteilung entscheiden. Kritiker sehen darin bereits die Vorentscheidung über das künftige Machtgefüge im ORF. Gegen 16 Uhr soll schließlich der neue ORF-Chef präsentiert werden. Sollte es jedoch zu einer Stichwahl oder längeren Diskussionen kommen, könnte sich die Entscheidung auch deutlich verzögern.