Unmittelbar nach der Wahl meldeten sich die NEOS mit deutlicher Kritik zu Wort. Mediensprecherin Henrike Brandstötter sprach sich für eine grundlegende Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aus. Es müsse das letzte Mal gewesen sein, dass politische Parteien bei der Besetzung von Spitzenfunktionen im ORF mitbestimmen würden.

Die NEOS fordern einen ORF, der transparenter, unabhängiger und stärker von parteipolitischen Interessen entkoppelt ist. Gleichzeitig wünschten sie dem neuen Generaldirektor Erfolg bei den bevorstehenden Herausforderungen.

FPÖ spricht von „Postenschacher“

Noch schärfer fiel die Reaktion der FPÖ aus. Mediensprecher Christian Hafenecker bezeichnete die Bestellung von Pig als „abgekarteten Postenschacher“ zwischen ÖVP und SPÖ. Aus Sicht der Freiheitlichen sei die Wahl kein Zeichen für einen Neustart, sondern für die Fortsetzung bestehender Machtstrukturen innerhalb des ORF.

Die FPÖ erneuerte in diesem Zusammenhang ihre Forderung nach einer umfassenden Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und sprach sich erneut für die Abschaffung der ORF-Haushaltsabgabe aus.

Unterstützung aus der SPÖ

Während die Opposition Kritik übte, gratulierte Medienminister und Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) dem neuen ORF-Chef noch in der Wahlnacht. Babler zeigte sich überzeugt, dass Pig einen wichtigen Beitrag zur geplanten ORF-Reform leisten könne. Der Reformprozess soll nach Angaben der Bundesregierung bereits im Herbst beginnen.

Aus den Reihen der ÖVP gab es zunächst keine unmittelbare Reaktion von Bundeskanzler Christian Stocker. Allerdings hatte die Volkspartei bereits im Vorfeld Sympathien für die Kandidatur von Pig erkennen lassen.

Auch NGOs und Grüne sehen Reformbedarf

Kritische Stimmen kamen zudem von der Bürgerinitiative #aufstehn. Dort wird befürchtet, dass der Eindruck einer parteipolitisch vorentschiedenen Besetzung das Vertrauen der Bevölkerung in den ORF beschädigen könnte.

Ähnlich argumentieren die Grünen. Mediensprecherin Sigi Maurer betonte, dass weniger die Person des neuen Generaldirektors als vielmehr das bestehende Wahlsystem problematisch sei. Ihrer Ansicht nach brauche es strukturelle Änderungen, um die Unabhängigkeit des ORF nachhaltig zu stärken.Mit der Wahl von Clemens Pig endet zwar ein aufsehenerregender Auswahlprozess, die eigentliche Arbeit beginnt jedoch erst. Der ORF steht vor erheblichen finanziellen Herausforderungen, einem umfassenden Sparprogramm und der Aufgabe, seine digitalen Angebote weiterzuentwickeln.

Zudem dürfte die Diskussion über die politische Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auch unter der neuen Führung nicht verstummen. Die angekündigte ORF-Reform könnte daher zu einem der wichtigsten medienpolitischen Projekte der kommenden Jahre werden.