Nur noch 39 Prozent der Österreicher vertrauen darauf, dass ihre staatliche Pension im Alter ausreichen wird. Eine Mehrheit von 58 Prozent hat dagegen nur noch wenig oder gar kein Vertrauen mehr. Das zeigt eine Sonderauswertung des aktuellen „Aktienbarometers 2026“, erhoben von Meinungsforscher Peter Hajek im Auftrag von Wiener Börse, Aktienforum und Industriellenvereinigung.
Der Befund ist brisant: Österreich altert, die Kosten des Pensionssystems steigen – doch die Politik schreckt seit Jahren vor einer echten Reform zurück. Immer mehr Bürger ziehen daraus offenbar ihre eigenen Konsequenzen: Sie bauen zusätzlich Vermögen auf, investieren in Wertpapiere und wollen sich nicht mehr allein auf den Staat verlassen.
Besonders Junge zweifeln am Pensionssystem
Besonders dramatisch ist der Vertrauensverlust bei den jüngeren Generationen. Unter den Pensionisten vertraut mit 54 Prozent noch eine Mehrheit darauf, dass die staatliche Pension ausreicht. Bei den Berufstätigen sind es nur noch 31 Prozent. Bei Menschen in Ausbildung sinkt der Wert sogar auf 27 Prozent.
Das heißt: Gerade jene Generationen, die das Pensionssystem künftig finanzieren sollen, glauben selbst immer weniger daran, dass es ihnen später ausreichend Sicherheit bietet.
Immer mehr Österreicher sorgen selbst vor
Beim Misstrauen allein bleibt es nicht. Viele Österreicher ziehen bereits Konsequenzen. Wertpapiere werden zunehmend als Teil der Altersvorsorge gesehen – besonders von jungen Menschen.
Unter den 16- bis 29-Jährigen hält bereits eine Mehrheit Wertpapiere für wichtig für die zusätzliche Pension. Bei den 30- bis 59-Jährigen ist es ebenfalls ein großer Teil. Damit entsteht ein deutlicher Befund: Während die Politik seit Jahren über Reformen redet, beginnen viele Bürger längst selbst vorzusorgen.
Fast jeder Dritte besitzt Wertpapiere
Österreich galt lange als Land des Sparbuchs. Doch dieses Bild verändert sich. Vor rund zehn Jahren waren nur etwa zehn Prozent der Österreicher in Wertpapiere investiert. 2026 sind es bereits 31 Prozent – also fast jeder Dritte.
Damit ist der Kapitalmarkt längst kein Randthema mehr. Aktien, Fonds, Anleihen und ETFs sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Auch das alte Klischee vom reichen Aktienbesitzer greift immer weniger: Laut Aktienbarometer besitzen viele Anleger ein monatliches Nettoeinkommen von weniger als 3000 Euro.
Nicht Zocken, sondern Absicherung
Auch die Motive der Anleger sprechen gegen das Klischee vom schnellen Börsengewinn. An erster Stelle steht der langfristige Vermögensaufbau. 81 Prozent der Befragten nennen ihn als Motiv für Wertpapierinvestments. 76 Prozent wollen ihr Vermögen angesichts der Inflation erhalten. 62 Prozent nennen ausdrücklich die Pensionsvorsorge.
Mit anderen Worten: Viele Österreicher investieren nicht, weil sie kurzfristig spekulieren wollen. Sie wollen ihr Geld schützen, Vermögen aufbauen und im Alter nicht allein vom Staat abhängig sein.
Frauen investieren deutlich seltener
Eine deutliche Lücke bleibt allerdings zwischen Männern und Frauen. Während 38 Prozent der Männer am Kapitalmarkt investiert sind, sind es bei Frauen erst 24 Prozent. Das ist bedenklich – auch, weil Frauen wegen Teilzeit, Betreuungspflichten und geringerer Einkommen oft besonders stark von Pensionslücken betroffen sind.
Politik unter Druck
Für die Politik ist das Aktienbarometer eine schallende Ohrfeige. Wenn eine Mehrheit der Bevölkerung nicht mehr darauf vertraut, dass die staatliche Pension im Alter ausreichen wird, reicht es nicht, das Problem weiter zu vertagen.
Der Ausbau der zweiten und dritten Säule, bessere finanzielle Bildung und einfachere Rahmenbedingungen für langfristige private Vorsorge werden damit immer drängender.
Die Botschaft der Zahlen ist klar: Das Vertrauen in die staatliche Pension bröckelt. Den Beschwichtigungen, wonach die Pensionen ohnehin gesichert seien, glauben offenbar immer weniger Bürger. Immer mehr Österreicher warten deshalb nicht mehr auf die Politik – sondern sorgen selbst vor.

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