Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Außenministerin Beate Meinl-Reisinger, EU-Kommissar Magnus Brunner und Wiens Bürgermeister Michael Ludwig warben bei dem Event für „mehr Europa“ – vor der Bühne herrschte jedoch über weite Strecken gähnende Leere.

Für Aufmerksamkeit sorgten letztlich fast nur pro-palästinensische Demonstranten, die die Auftritte lautstark störten.

Politiker hatten kräftig für das Event geworben

Noch im Vorfeld hatten Veranstalter und Spitzenpolitiker massiv für die Veranstaltung geworben. Auf Instagram erklärte Van der Bellen in einem Promo-Video pathetisch: „Das vereinte Europa ist die beste Idee, die wir je hatten.“ Meinl-Reisinger bezeichnete Europa als ihr „politisches Herzensthema“ und forderte „mehr Europa“. Auch Ludwig schwärmte vom „Europa des Miteinanders“.

Pfeifkonzert statt Europa-Stimmung

Die Realität am Stephansplatz sah allerdings anders aus: Zahlreiche Videos und Fotos zeigen einen weitgehend leeren Platz vor der Bühne. Während die Politiker ihre EU-Botschaften verkündeten, machten sich vor allem Demonstranten mit Trillerpfeifen bemerkbar.

Auch Außenministerin Beate Meinl-Reisinger wurde während ihres Auftritts ausgepfiffen. In einem später veröffentlichten Instagram-Video beklagte sie, dass eine Veranstaltung „im Zeichen von Vielfalt und europäischer Gemeinschaft“ von „pro-Palästina-, pro-Gaza-Aktivistinnen und Aktivisten“ gestört worden sei.

„Eine Veranstaltung, die für Freiheit, für Friede – gerade Europa ist das Friedensprojekt – steht, das kann ich nicht nachvollziehen“, sagte Meinl-Reisinger.

Lädt...

Ludwig rastet aus: „Das ist nicht unser Wien“

Auch Bürgermeister Michael Ludwig bekam den Unmut zu spüren. Laut Video wurde der Wiener SPÖ-Chef während eines Interviews auf der Bühne von „Free Palestine“-Rufen und Trillerpfeifen unterbrochen. Ludwig reagierte sichtlich gereizt und wies die Demonstranten öffentlich zurecht.

„Das, was Sie machen, hat mit Toleranz nichts zu tun“, sagte Ludwig.

Dann legte er nach:

„Das ist nicht unser Wien, das sage ich ganz offen.“

Mit Blick auf den kommenden Eurovision Song Contest kündigte Ludwig außerdem „große Sicherheitsmaßnahmen“ an – wegen „Menschen wie Ihnen“, wie er in Richtung der Störer sagte. Trotzdem werde Wien ein „Fest des Miteinanders“ durchführen.

Presseaussendung zeichnete anderes Bild

Die offizielle Presseaussendung der Veranstalter klang deutlich euphorischer. Darin hieß es, der Stephansplatz sei zum „urbanen Dancefloor“ geworden, das Festival habe ein „lebhaftes Zeichen für eine starke und moderne Europäische Union“ gesetzt. Besonders junge Menschen seien eingeladen worden, „die Chancen Europas zu nutzen“.