Die Kronen Zeitung attestiert Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) ein „konzeptloses” Reformvorhaben – und liegt damit nicht allein. Recherchen zeigen: Die Widersprüche in Wiederkehrs „Plan Zukunft” sind zahlreich.
Mittlere Reife: Was ist der Unterschied zu heute?
Nach der neunten Schulstufe soll künftig eine „Mittlere Reife” kommen – flankiert von zentralen Testungen bereits ab 13 Jahren. Wer die Grundkompetenzen in Lesen, Schreiben und Rechnen nicht erreicht, muss länger die Schule besuchen. Klingt nach einer großen Reform. Ist es aber nicht unbedingt. Worin der konkrete Unterschied zu den bereits bestehenden Schularbeiten, Zeugnissen und der Möglichkeit des Sitzenbleibens besteht, konnte Wiederkehr in der Pressestunde nicht schlüssig erklären. Die FPÖ bringt es auf den Punkt: Die Mittlere Reife sei „keine Lösung, sondern Kapitulation” – wer Mindeststandards nicht erreiche, bleibe einfach länger im System.
Mittlere Reife: Was ist der Unterschied zu heute?
Nach der neunten Schulstufe soll künftig eine „Mittlere Reife” kommen – flankiert von zentralen Testungen bereits ab 13 Jahren. Wer die Grundkompetenzen in Lesen, Schreiben und Rechnen nicht erreicht, muss länger die Schule besuchen. Klingt nach einer großen Reform. Ist es aber nicht unbedingt. Worin der konkrete Unterschied zu den bereits bestehenden Schularbeiten, Zeugnissen und der Möglichkeit des Sitzenbleibens besteht, konnte Wiederkehr in der Pressestunde nicht schlüssig erklären. Die FPÖ sagt dazu: Die Mittlere Reife sei „keine Lösung, sondern Kapitulation” – wer Mindeststandards nicht erreiche, bleibe einfach länger im System.
5.500 Lehrer fehlen – aber Quereinsteiger werden abgebaut
Besonders pikant ist ein Widerspruch, der in der Pressestunde kaum auffiel: Wiederkehr räumte ein, dass Österreich bis Herbst noch rund 5.500 zusätzliche Lehrkräfte braucht. Gleichzeitig wird das Quereinsteigerprogramm – eine der wenigen schnellen Lösungen für dieses Problem – grundsätzlich zurückgefahren. Begründung des Ministers: Es gebe „keinen österreichweiten Fachkräftemangel mehr”. Nur regional und in einzelnen Fächern. Eine Erklärung, wie die 5.500 fehlenden Stellen sonst besetzt werden sollen, blieb er schuldig.
Schulautonomie predigen, Zentralmacht wollen
Noch deutlicher wird der Widerspruch beim Thema Autonomie. Einerseits wirbt Wiederkehr lautstark für mehr Schulautonomie – Schulen sollen eigene Modelle erproben, mehr Freiraum bekommen. Andererseits will er sämtliche Bildungskompetenzen beim Bund bündeln, von der Elementarpädagogik bis zur Matura. Den Bildungsföderalismus bezeichnete er in der Pressestunde als „lähmend” und „extreme Zumutung”. Länder, Städte- und Gemeindebund fordern das genaue Gegenteil: echte Kompetenzverschiebung nach unten.
Lehrergewerkschaft: „Zahlreiche Überschriften, sonst wenig"
Oberster Lehrergewerkschafter Paul Kimberger findet deutliche Worte: Wiederkehr kündige mit „pathetischen Worten Großes an” – bei Konzepten und Implementierungsplänen herrsche hingegen „Fehlanzeige”. Als Beispiel nennt Kimberger die Entlastungsinitiative „Freiraum Schule”, die große Erleichterungen für Lehrkräfte versprochen hatte. Darauf warte man bis heute. Grünen-Bildungssprecherin Sigi Maurer sekundiert: „Wiederkehr ist gut im Ankündigen, aber schlecht im Umsetzen.”
Volksschule auf sechs Jahre – aber wo sollen die Kinder hin?
Die Verlängerung der Volksschule von vier auf sechs Jahre ist das wohl ambitionierteste Vorhaben im „Plan Zukunft”. Und das wohl am wenigsten durchdachte. Wo 50 Prozent mehr Schüler untergebracht werden sollen, wenn Österreichs Schulen jetzt schon aus allen Nähten platzen – diese Frage ließ Wiederkehr in der Pressestunde unbeantwortet. Die ÖVP hat das Vorhaben bereits zum zweiten Mal abgelehnt: „Zwei zusätzliche Jahre ohne klares pädagogisches Konzept bedeuten kein Fortschritt, sondern ein ideologisches Gesamtschul-Experiment.”
Viele Baustellen, kein Bauplan
Wiederkehr räumte selbst ein, dass fehlende Deutschkenntnisse das drängendste Problem im österreichischen Bildungssystem sind. Ein Drittel der Schüler in Deutschförderklassen schafft auch nach einem Jahr nicht den Umstieg in den regulären Unterricht. Die entscheidende Frage, die der Minister schuldig bleibt: Was macht man mit Kindern, die Deutsch nicht lernen – oder nicht lernen wollen? Wie lange trägt das System sie mit, bevor es kapituliert? Ob eine „Mittlere Reife” daran irgendetwas ändert, ist fraglich.
Und noch etwas fällt auf: Ein deutschsprachiges österreichisches Kind braucht in der Regel keine zwei zusätzlichen Jahre Volksschule. Die geplante Verlängerung auf sechs Jahre löst also nicht das Problem, das Wiederkehr selbst als das größte benennt – sie verwaltet es bloß länger.

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