Was noch vor wenigen Jahren undenkbar schien, ist jetzt schwarz auf weiß messbar: Direkt nach dem neuen Bundesbudget liegt One Nation bei den Rohwerten sogar vor der Regierungspartei Labor und Premier Albanese. Die Partei von Frontfrau Pauline Hanson kommt auf satte 32 Prozent – Labor nur noch auf 28,5. Die traditionelle konservative Opposition, die Liberal–National Coalition, liegt mit gerade einmal 16,5 Prozent abgeschlagen dahinter. Ein politischer Erdrutsch zeichnet sich ab.

Albanese selbst im Fokus

Noch dramatischer wird das Bild beim Blick auf den Premier selbst. Mehr als die Hälfte der Australier scheint mit Albanese abgeschlossen zu haben. 59 Prozent der Befragten geben an, mit seiner Arbeit unzufrieden zu sein. Nur 40 Prozent stellen ihm noch ein positives Zeugnis aus. Auch Finanzminister Jim Chalmers steht massiv unter Druck.

Klassische populistische Erfolgsfaktoren

Warum wächst ausgerechnet One Nation so stark? Die Umfrage zeigt ein explosives Stimmungsbild. Viele Wähler sorgen sich wegen steigenden Lebenshaltungskosten und explodierenden Mieten. Besonders häufig genannt werden Themen wie Migration, Wohnungsnot und das Gefühl, dass die etablierten Parteien „nicht mehr zuhören“. Viele One-Nation-Wähler wünschen sich einen radikalen Kurswechsel – manche sprechen sogar offen davon, „das System aufzurütteln“.

Labour als „Mangel an Alternativen“ wählen

Die Regierungspartei Labor hält sich dagegen vor allem mit klassischen Themen über Wasser: soziale Gerechtigkeit, Unterstützung für Arbeitnehmer, Klimapolitik und wirtschaftliche Stabilität. Viele Labor-Wähler sagen, die Partei sei trotz aller Probleme noch immer die vernünftigste Option. Doch selbst unter den eigenen Anhängern scheint die Begeisterung nicht grenzenlos – etliche geben offen zu, Labor eher aus Mangel an Alternativen zu wählen.

Konservative Protestwähler verlieren die Geduld

Und die konservative Opposition? Die steckt offenbar selbst in der Krise. Zwar vertrauen viele Wähler der Coalition weiterhin bei Wirtschaft, Steuern und Budgetpolitik. Doch gegenüber One Nation verliert sie spürbar an Boden. Besonders bei konservativen Protestwählern scheint die Geduld mit den traditionellen Parteien erschöpft zu sein.

Parlament ohne Mehrheit

Das Ergebnis: Australien steuert laut den Meinungsforschern auf ein politisches Chaos zu. Sollte jetzt gewählt werden, wäre ein sogenanntes Hung Parliament möglich – also ein Parlament ohne klare Mehrheit. Das bedeutet: schwierige Regierungsbildung, harte Machtkämpfe und wochenlange politische Unsicherheit. Für Premier Albanese ist die Botschaft jedenfalls eindeutig: Der Gegenwind wird stärker. Und für Australien beginnt möglicherweise gerade die spannendste politische Phase seit Jahren.