Die Untersuchung sollte klären, ob das Zulassungsverfahren der Universität mit den bundesstaatlichen Bürgerrechtsgesetzen vereinbar ist. Das Ministerium erklärte, Yale diskriminiere weiterhin bewusst auf Grundlage der ethnischen Herkunft – trotz eines Urteils des Supreme Court of the United States aus dem Jahr 2023, das ethnisch begründete Fördermaßnahmen bei Hochschulzulassungen stark eingeschränkt hatte.

29-fach höhere Chancen auf Zulassung?

Laut Justizministerium wurden unter anderem Durchschnittsnoten und standardisierte Testergebnisse nach ethnischen Gruppen ausgewertet. Die Behörde kam zu dem Ergebnis, dass ein schwarzer Bewerber mit vergleichbaren akademischen Leistungen teilweise bis zu 29-mal höhere Chancen auf ein Zulassungsgespräch gehabt habe als ein asiatischer Bewerber mit ähnlichen Qualifikationen, schreibt die „Washington Post“.

Unterschiede in den Leistungswerten

Andere mögliche Zulassungsfaktoren wie Essays, Empfehlungsschreiben, Interviews oder persönliche Lebensumstände wurden in der Untersuchung aber nicht berücksichtigt. Wie stark Noten und Testergebnisse tatsächlich im Auswahlverfahren gewichtet werden, blieb auch offen. Bei den zugelassenen Studierenden lagen die Leistungswerte insgesamt auf sehr hohem Niveau, dennoch zeigten sich Unterschiede: Schwarze Studierende erreichten beim Aufnahmetest im Median 518 Punkte; hispanische Studierende 517 Punkte; weiße und asiatische Studierende jeweils 524 Punkte – bei maximal 528 möglichen Punkten.

Noten variieren

Auch bei den Notendurchschnitten gab es Unterschiede: Schwarze Bewerber liegen im Median bei 3,88, hispanische Bewerber bei 3,91, weiße bei 3,97 und asiatische Kandidaten bei 3,98.

Rechtliche Schritte im Raum

Das Justizministerium strebt zunächst eine freiwillige Einigung mit Yale im Zuge der Untersuchung an. Sollte diese nicht zustande kommen, könnten rechtliche Schritte folgen. Eine Sprecherin von Yale University erklärte, die Universität werde das Schreiben sorgfältig prüfen. Man habe volles Vertrauen in das strenge und sorgfältige Zulassungsverfahren.

Präsident Trump als Triebfeder

Der Fall ist Teil einer umfassenderen Bildungspolitik unter Donald Trump. Die Regierung geht verstärkt gegen Diversitätsprogramme und Zulassungsverfahren vor, die ihrer Ansicht nach weiße und asiatische Bewerber benachteiligen.

Mehrere Untersuchungen laufen

Bereits in der Vorwoche hatte das Justizministerium ähnliche Vorwürfe gegen die Medizinfakultät der University of California, Los Angeles erhoben. Weitere Untersuchungen laufen unter anderem gegen die Stanford University und die Harvard University. Gleichzeitig argumentieren viele Mediziner und Bildungsexperten, dass ethnische Vielfalt im Gesundheitswesen wichtig sei, um eine vielfältige Bevölkerung besser medizinisch versorgen zu können.

Liefert die Statistik eindeutige Beweise?

Bildungsexperte Richard Kahlenberg betonte allerdings, dass statistische Unterschiede allein noch kein eindeutiger Beweis für Diskriminierung seien. Es könne auch andere Faktoren geben – etwa soziale Herkunft oder wirtschaftliche Benachteiligung, die Einfluss auf Zulassungsentscheidungen haben.