Ein Hilferuf aus einer Döblinger Schule brachte für Bezirksvorsteher Daniel Resch (ÖVP) das Fass zum Überlaufen: Ein Schüler hat mitten im Unterricht eine Schularbeit angezündet – für Resch eine Gefährdung von Lehrern und Mitschülern. „Da reicht es mir einfach“, sagt er im exxpressTV-Interview.

Der brennende Test ist für den Bezirkschef nur die Spitze: Etwa acht bis zwölf Jugendliche drangsalieren und gefährden derzeit ihre Mitschüler – großteils an Mittelschulen, viele wohnen auch im Bezirk.

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„Kriminelle Energie“ – und zu jung für den Richter

Es seien Schüler aus Syrien und Afghanistan berichtet Resch. Sie hätten eine „sehr starke kriminelle Energie“. Die Vorwürfe haben es in sich: Schon mit 12, 13 Jahren begehen sie Raubüberfälle, Einbrüche und Körperverletzungen. „Dann kann man sich vorstellen, wie diese Karriere weitergeht. Das müssen wir jetzt eindämmen.“

Das Kernproblem: Viele der Beteiligten sind noch keine 14 Jahre alt – und damit nicht strafmündig. Die Polizei könne sie nur aufgreifen und etwa zum Jugendamt bringen. Festhalten dürfe sie dort niemand. „Stunden später wird die Polizei sie wieder antreffen – meistens wieder bei einem Blödsinn“, schildert Resch. „Dann beginnt das Ganze wieder von vorne.“ Der Polizei macht er keinen Vorwurf – im Gegenteil, er dankt ihr ausdrücklich. Das Problem liege im System.

Daniel Resch (r.) im Gespräch mit exxpress-Redakteur Stefan Beig (l.)
Daniel Resch (r.) im Gespräch mit exxpress-Redakteur Stefan Beig (l.)

Auch die Schule drehe sich im Kreis: Suspendierte tauchten trotzdem wieder vor dem Schultor auf. Wer verwiesen werde, lande oft ausgerechnet in der Nachbarschule – „zwei Straßenbahnstationen entfernt“. Reschs Urteil: „Das macht natürlich überhaupt keinen Sinn.“

„Wenn ein Lehrer Angst hat, rennt gewaltig was falsch“

Die Lehrer seien überfordert und hätten schlicht Angst, sagt Resch – an Regelunterricht sei mit diesen Intensivtätern nicht zu denken. Der Bezirksvorsteher wird deutlich: „Wenn ein Lehrer Angst hat, in der Früh in die Schule zu kommen, dann rennt gewaltig was falsch.“ Wenn Hilferufe aus Schulen kommen, „dann brennt der Hut“.

Die Folgen spürt der Bezirkschef direkt: Besorgte Eltern würden bei ihm anrufen, manche Schüler hätten Angst. Die auffälligen Jugendlichen konfrontierten Gleichaltrige – oder würfen im öffentlichen Raum Scheiben ein, sei ihm zugetragen worden.

Prioritär sei für ihn, wieder Ruhe in die Klassenzimmer zu bringen.

„Ich verstehe es nicht“

Das Thema hat Resch in der Zwischenzeit bis nach oben getragen: Bei einem Treffen mit Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) und Wiens Vize-Polizeichef Dieter Csefan sprach er von einem System, das bei jugendlichen Intensivtätern an seine Grenzen stoße.

Seine zentrale Forderung richtet der Bezirksvorsteher aber an die Stadt Wien: Die versprochenen Auszeit-WGs müssten endlich kommen – Einrichtungen, in denen strafunmündige Intensivtäter betreut und räumlich von ihrem Umfeld getrennt werden können. Doch der Start verschiebe sich „Woche für Woche, Monat für Monat“. Resch: „Ich verstehe es nicht.“

Auch die Justiz sieht er gefordert: Es müsse geprüft werden, ob das Jugendstrafrecht einer immer jüngeren Tätergeneration noch gerecht werde. Eine Senkung des Strafmündigkeitsalters kann sich der ÖVP-Politiker „ganz gut vorstellen“ – hätten Experten eine bessere Lösung, sei er dafür offen. Selbst Abschiebungen sind für ihn kein Tabu, sofern rechtlich möglich. Das übersteige aber seine Befugnisse.

„Bevor es eskaliert“

Die Gewalt durch jugendliche Intensivtäter dürfe jedenfalls nicht länger verharmlost werden, unterstreicht Resch. Sein Appell, auch als Familienvater: Polizei, Justiz, Lehrer und Politik müssten sich über alle Parteigrenzen hinweg an einen Tisch setzen. „Ja, Wien hat ein Problem mit Jugendgewalt“, räumte er auch gegenüber Heute ein. Im exxpressTV-Interview warnt er: „Das muss funktionieren, bevor es eskaliert.“