208 Häftlinge wurden im Jahr 2025 aus österreichischen Gefängnissen in ihre Heimatländer überstellt – ein Rekordwert seit mindestens 2021, wie aus der aktuellen Anfragebeantwortung von Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ) hervorgeht. Klingt nach einem Fortschritt. Die Kehrseite: Von 375 gestellten Überstellungsersuchen wurden 167 abgelehnt oder scheiterten – also fast jeder zweite Antrag. Das ist in der Antwort nicht erklärt.

Rekord auf dem Papier – Lücken in der Praxis

Zum Vergleich: 2021 waren es noch 184 Überstellungen, 2022 nur 150, 2023 mit 139 der niedrigste Wert der Reihe. Seit 2024 steigen die Zahlen wieder – parallel zum Regierungsprogramm 2025–2029, das die „Forcierung der Verbüßung der Haft im Herkunftsland” als explizites Ziel nennt.

Doch die Anfragebeantwortung zeigt auch: Österreich stellt immer mehr Ersuchen – und scheitert immer öfter. 2021 gab es 243 Ersuchen bei 31 Ablehnungen, 2025 waren es 375 Ersuchen bei 44 Ablehnungen. Die Ablehnungsquote ist gesunken – aber die absolute Zahl der gescheiterten Anträge ist gestiegen. Und bei weitem nicht alle genehmigten Ersuchen führten auch zu tatsächlichen Überstellungen.

Wer wird überstellt – und wofür?

Von den 208 überstellten Personen im Jahr 2025 waren 125 wegen Delikten gegen fremdes Vermögen verurteilt, 28 nach dem Suchtmittelgesetz. Nur 16 wegen Delikten gegen Leib und Leben, sieben wegen Sexualdelikten. Wer überstellt wird, hat im Schnitt noch rund drei Jahre Reststrafe vor sich. Die Herkunftsländer: Fast ausschließlich EU-Staaten. Rumänien führt mit 57 Überstellungen im Jahr 2025, dahinter Slowakei (31), Ungarn (23), Deutschland (16), Polen (11). Außerhalb der EU kamen gerade einmal 13 Überstellungen zustande – aus Serbien, der Türkei, Bosnien, Kosovo, Nordmazedonien.

Das eigentliche Problem bleibt ungelöst

Und genau da liegt der Haken – den der exxpress bereits mehrfach beleuchtet hat. Mit Rumänien, der Slowakei und Ungarn funktionieren Überstellungen dank EU-Rahmenbeschluss gut. Aber die Hauptherkunftsländer der nicht-österreichischen Häftlinge – Nordafrika, der Nahe Osten – tauchen in der Liste gar nicht auf.

Sporrer selbst erklärt in der Anfragebeantwortung, warum mehr Überstellungen schwierig seien: mangelhafte Haftbedingungen im Zielstaat, das Risiko unmenschlicher Behandlung, bürokratische Hürden – und in Drittstaaten brauche es zudem die Zustimmung des Häftlings, die „nicht immer gegeben wird”. Diese Einschränkungen waren bekannt. Was fehlt: Konkrete Schritte, um sie zu überwinden.

Lausch: „Potenzial bei weitem nicht ausgeschöpft"

FPÖ-Justizsprecher Christian Lausch, der die Anfrage eingebracht hatte, sieht in den Zahlen keinen Grund zur Entwarnung. Schon im Jänner hatte er im exxpressTV-Studio vorgerechnet: Mindestens 1.000 Überstellungen wären sofort möglich – bei rund 200 Euro Kosten pro Häftlingstag eine massive Entlastung für den Steuerzahler und die überfüllten Justizanstalten.

Daran hat sich nichts geändert. Österreichs Gefängnisse sind nach wie vor um über 40 Prozent überbelegt – fast jeder zweite Insasse kein österreichischer Staatsbürger. Sporrer hat zuletzt Gefängnisneubau versprochen, wie der exxpress berichtete – konkrete Planungen gibt es bis heute nicht.

Die Anfragebeantwortung liefert Zahlen. Antworten auf die eigentlichen Fragen – warum so viele Ersuchen scheitern, warum Überstellungen in die Maghreb-Staaten nicht funktionieren, was das Ministerium konkret plant – bleibt Sporrer auch diesmal schuldig.