Dabei stellte er sich ausdrücklich hinter Bemühungen von EU-Ratspräsident António Costa, Kommunikationswege nach Moskau auszuloten.

„Ich stimme dem vollkommen zu. Kriege enden nicht mit Waffen, sondern mit erfolgreicher Diplomatie“, sagte Stocker gegenüber der Financial Times. Dafür brauche es Gespräche und Verhandlungen – und deshalb müssten zunächst die entsprechenden Kanäle geöffnet werden.

Nach Angaben der Zeitung wurden in den vergangenen Wochen bereits Kontakte genutzt, um mögliche Kommunikationswege zum Kreml auszuloten. Stocker unterstützt diese Bemühungen „sehr“ und will auch andere EU-Staats- und Regierungschefs von diesem Kurs überzeugen.

„Jeder Gesprächskanal ist mir recht“

Auch beim EU-Gipfel in Brüssel bekräftigte der Kanzler seine Haltung. „Wenn es dazu führt, dass Russland an den Verhandlungstisch kommt, ist mir jeder Gesprächskanal recht“, sagte Stocker vor Beratungen mit den europäischen Staats- und Regierungschefs sowie dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.

Der Kanzler sieht nach der jüngsten Entspannung im Nahen Osten eine Chance, dass die internationale Aufmerksamkeit wieder stärker auf den Ukraine-Krieg gelenkt wird. Der Konflikt im Nahen Osten habe die US-Regierung zuletzt stark beschäftigt. Nun könnte neuer Raum für diplomatische Initiativen entstehen.

Skepsis in Teilen der EU

Innerhalb der Europäischen Union werden mögliche Gespräche mit Russland unterschiedlich bewertet. Während Costa neue Kommunikationskanäle ausloten lässt, setzen andere Mitgliedstaaten weiterhin auf Druck gegenüber Moskau.

Der litauische Präsident Gitanas Nausėda erklärte am Donnerstag, frühere Gesprächsinitiativen einzelner europäischer Regierungschefs mit Putin seien ein Fehler gewesen. Nach Beginn des russischen Angriffskrieges hatte unter anderem der damalige österreichische Bundeskanzler Karl Nehammer den Kreml-Chef in Moskau getroffen.

Auch innerhalb der EU gibt es Zweifel daran, ob Russland derzeit ernsthaft an Verhandlungen interessiert ist.

Ziel bleibt ein „gerechter und dauerhafter Frieden“

Für Stocker steht fest, dass Europa die Ukraine nicht in einem endlosen Krieg unterstützen könne. „Das Ergebnis muss ein gerechter und dauerhafter Frieden sein“, betonte der Kanzler.

Putin müsse erkennen, dass es in seinem Interesse sei, Verhandlungen aufzunehmen. Nach Ansicht Stockers könne Russland am Verhandlungstisch mehr erreichen als auf dem Schlachtfeld. Der erste Schritt dafür müsse jedoch aus Moskau kommen.