Mit einer hochrangigen Wirtschaftsdelegation reist Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) kommende Woche nach Indien, wo er auch vom Premierminister Narendra Modi empfangen wird. Wie das Bundeskanzleramt am Donnerstag mitteilte, steht die Vertiefung der wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Partnerschaft zwischen Österreich und dem bevölkerungsreichsten Land der Welt im Mittelpunkt der Visite. Teil der Delegation ist auch Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP).

Stocker bricht am Dienstag nach Neu-Delhi auf. Das Treffen mit Premierminister Modi ist für Donnerstag angesetzt. Stocker erwidert damit einen Besuch Modis, der im Juni 2024 in Wien gewesen war. In der Delegation sind auch WKÖ-Vizepräsident Wolfgang Hesoun sowie Vertreter von Top-Unternehmen wie Wienerberger, Andritz Hydro, Doppelmayr, Plasser & Theurer und AVL List sowie mehrerer Hochschulen (Montanuniversität Leoben, TU Wien, JKU Linz). Am Samstag wird die Delegation wieder in Österreich erwartet.

"Wirtschaftlich, strategisch und politisch äußerst wichtiger Partner"

Österreichische Unternehmen sollen von der dynamisch wachsenden Wirtschaft Indiens profitieren. Schon jetzt sei das Land einer der wichtigsten Handelspartner Österreichs außerhalb der EU, rund 170 österreichische Unternehmen seien im Land aktiv. Große Hoffnungen setzt man dabei auch in das bereits ausverhandelte Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien. Es schafft eine Freihandelszone mit rund zwei Milliarden Menschen.

Im Rahmen des Besuchs findet auch ein Wirtschaftsgipfel statt. Stocker wird in Delhi auch von der indischen Präsidentin Droupadi Murmu empfangen. Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer trifft seinen Amtskollegen Piyush Goyal. Es soll auch eine Reihe von Absichtserklärungen unterzeichnet werden, die darauf abzielen, dass Österreich und Indien künftig noch enger zusammenarbeiten. Hattmannsdorfer beginnt seinen Indien-Besuch bereits am Samstag mit Terminen in der Wirtschaftsmetropole Mumbai (Bombay), wo auch Besuche von österreichischen Industriestandorten geplant sind.

"Chancen in einem der dynamischsten Märkte der Welt"

”Indien ist die am schnellsten wachsende Volkswirtschaft der Welt. Gerade in einer Zeit globaler Umbrüche und wachsender Unsicherheiten auf den Weltmärkten sind starke Partnerschaften der Schlüssel zum wirtschaftlichen Erfolg. Dieser Besuch eröffnet unseren heimischen Unternehmen konkrete Möglichkeiten, neue Kooperationen zu schließen und bestehende Partnerschaften zu vertiefen”, betonte Stocker. Hattmannsdorfer wies darauf hin, dass die österreichischen Exporte nach Indien allein im Vorjahr um 13,6 Prozent gestiegen seien, während jene nach ganz Asien nur um 1,9 Prozent zulegten und es weltweit sogar einen Rückgang von 0,5 Prozent gab. “Genau deshalb gehen wir dorthin, wo Wachstum entsteht, vertiefen wirtschaftliche Partnerschaften und eröffnen unseren Betrieben neue Chancen in einem der dynamischsten Märkte der Welt.” WKÖ-Vizepräsident Hesoun äußerte die Hoffnung auf konkrete Geschäftschancen durch die Reise. “Gerade in einem dynamischen Markt wie Indien sind starke Netzwerke und persönliche Kontakte entscheidend”, unterstrich er.

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung nimmt auch die politische Bedeutung Indiens zu. Die Außenpolitik der Atommacht ist von der Rivalität mit der aufstrebenden Weltmacht China sowie Erzfeind Pakistan geprägt, mit dem es erst im Vorjahr nach einem verheerenden Terroranschlag in Kaschmir die Waffen kreuzte. Eher freundschaftlich sind hingegen die Beziehungen zu Russland. Diesbezüglich profitierte Indien vom Ukraine-Krieg, indem es infolge westlicher Sanktionen russisches Erdöl zu günstigeren Preisen einkaufen konnte, was sich nicht zum Nachteil der indischen Wirtschaftsentwicklung erwies.

Indien spielte wichtige Rolle bei Staatsvertrag Österreichs

Die diplomatischen Beziehungen zwischen Indien und Österreich sind sehr eng und freundschaftlich. Sie gehen auf das Jahr 1949 zurück, kurz nachdem Indien und Pakistan ihre Unabhängigkeit von Großbritannien erlangten. Indien setzte sich in den Staatsvertragsverhandlungen bei der damaligen Sowjetunion zugunsten Österreichs ein, und der indische Premierminister Jawarhal Nehru besuchte Wien bereits im Juni 1955, wenige Wochen nach der Unterzeichnung des Staatsvertrags. Nehru war Anfang der 1960er Jahre auch Initiator der Blockfreien-Bewegung, die im Kalten Krieg einen unabhängigen Weg suchte. Hier gab es mit dem neutralen Österreich durchaus Anknüpfungspunkte, insbesondere in der Zeit des weltpolitisch besonders aktiven Bundeskanzlers Bruno Kreisky (SPÖ).