Beim Auftakt des mehrtägigen Staatsbesuchs bemühten sich beide Seiten zwar demonstrativ um ein stabileres Verhältnis zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt. Zugleich machte Xi nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua deutlich, wie sensibel Peking die Taiwan-Frage bewertet.
Sollte diese Frage falsch behandelt werden, könne es zu Spannungen oder sogar zu Konflikten zwischen China und den USA kommen. Das Verhältnis beider Länder könne dadurch in eine „äußerst gefährliche Lage bringen“, sagte Xi.
China betrachtet Taiwan als eigenes Territorium. Die Insel wird jedoch seit Jahrzehnten eigenständig und demokratisch regiert. International besteht seit Langem die Sorge, dass Peking versuchen könnte, Taiwan militärisch unter seine Kontrolle zu bringen. Die USA spielen dabei eine zentrale Rolle, weil sie Taiwan trotz massiver Kritik aus China mit Waffen beliefern.
Unklar blieb zunächst, ob und wie Trump auf Xis Warnung reagierte. In einer Mitteilung des Weißen Hauses zum Besuch in Peking wurde Taiwan nicht erwähnt.
Taiwan selbst wies die chinesische Darstellung zurück. „Chinas militärische Drohungen sind die einzige Quelle der Instabilität in der Taiwanstraße und im weiteren Indopazifik“, sagte Regierungssprecherin Michelle Lee in Taipeh. Taiwan stehe in engem Austausch mit den USA. Washington habe seine klare Unterstützung für Taiwan wiederholt bekräftigt.
Trump nennt Xi seinen „Freund“
Der Beginn des Besuchs war zugleich von demonstrativer Freundlichkeit geprägt. Xi empfing Trump mit militärischen Ehren an der Großen Halle des Volkes im Zentrum Pekings. Der monumentale Bau wird von der chinesischen Führung traditionell für politische Großereignisse und Staatsempfänge genutzt.
Xi und Trump schüttelten sich längere Zeit die Hand. Trump applaudierte Kindern, die kleine US-Flaggen und Blumen in die Höhe hielten. Später sagte der US-Präsident, er habe die Kinder „großartig“ gefunden.
Auch für Xi fand Trump lobende Worte. Er bezeichnete den chinesischen Staatschef als „großartige Führungspersönlichkeit“. Weiter sagte Trump: „Manchmal mögen Leute das nicht, wenn ich das sage, aber ich sage es trotzdem, weil es wahr ist.“ Und an Xi gerichtet: „Es ist eine Ehre, Ihr Freund zu sein.“
Handelskonflikt bleibt zentrales Thema
Trotz der freundlichen Bilder bleibt das Verhältnis zwischen Washington und Peking angespannt. Die beiden größten Volkswirtschaften der Welt befinden sich seit längerer Zeit in einem schweren Handelskonflikt. Trump hatte im vergangenen Jahr einen Zollstreit ausgelöst, der sich Schritt für Schritt verschärfte. Ein Treffen zwischen Trump und Xi im Herbst in Südkorea brachte zwar eine vorübergehende Zollpause, eine umfassende Lösung blieb jedoch aus.
Xi erklärte in Peking, er sei überzeugt, dass die gemeinsamen Interessen beider Länder größer seien als ihre Differenzen. Der Erfolg der einen Seite sei für die andere Seite eine Chance.
Trump reiste mit einer hochrangigen Wirtschaftsdelegation nach China. Mit dabei waren unter anderem Tech-Milliardär Elon Musk, Apple-Chef Tim Cook und Nvidia-Chef Jensen Huang. Die Halbleiter des US-Konzerns Nvidia gelten als besonders wichtig für die Entwicklung Künstlicher Intelligenz. Huang bezeichnete das Treffen vor Journalisten als „einen der bedeutendsten der Menschheitsgeschichte“.
Auch der Iran-Krieg wurde besprochen
Neben Taiwan und Handel ging es bei den Gesprächen auch um den Iran-Krieg. Die USA hoffen seit Längerem auf Unterstützung Chinas bei der Sicherung der Straße von Hormus, die für den Transport von Öl und Flüssiggas von zentraler Bedeutung ist. China ist üblicherweise der größte Abnehmer iranischen Öls.
Nach Angaben des Weißen Hauses waren sich beide Seiten einig, dass die Meerenge für den Energietransport offen bleiben müsse. Xi habe deutlich gemacht, dass China eine Militarisierung der Straße ablehne und auch gegen Durchfahrtsgebühren sei. Zugleich soll er Interesse am Kauf von mehr amerikanischem Öl signalisiert haben.
Xi warb gegenüber Trump für stabile Beziehungen zwischen China und den USA. Diese seien „gut für die Welt“. Beide Länder sollten Partner und nicht Gegner sein. Zugleich stellte er das Verhältnis in einen historischen Kontext und sprach die sogenannte „Thukydides-Falle“ an. Gemeint ist damit die Gefahr, dass eine aufstrebende Macht und eine etablierte Führungsmacht in eine Konfrontation geraten.
Dieser Beitrag ist ursprünglich auf unserem Partner-Portal NiUS erschienen.

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