Mit diesem großen Zuwachs habe sie keinesfalls gerechnet: „Unser Ziel war es, das Ergebnis zu halten oder ein bisschen dazuzugewinnen. Aber in dem Ausmaß habe ich nicht damit gerechnet.“

Den Erfolg erklärte sie damit, dass sie den Grazern zuhöre und „für alle da“ sei. Im ersten ORF-TV-Interview sagte die Bürgermeisterin: „Heute freue ich mich einfach nur riesig. Ich bin sehr erleichtert, dass das Ergebnis so ist, weil mir die politischen Kräfteverhältnisse Sorgen gemacht haben.” Auch KPÖ-Stadtrat Robert Krotzer sagte: “Ich darf seitens der Grazer KPÖ ein großes Dankeschön aussprechen, all unseren Wählerinnen und Wählern. Wir haben natürlich große Freude mit dem Ergebnis und nehmen es zugleich mit Demut an. Jede Stimme und jedes Ergebnis drückt ein Vertrauen aus.“ In der anschließenden Pressekonferenz betonte Kahr, dass das Ergebnis für sie ein Auftrag für die nächsten fünf Jahre sei. Sie dankte ihren bisherigen Koalitionspartnerinnen Judith Schwentner (Grüne) und Doris Kampus (SPÖ) ausdrücklich.

Zwist um Ursachen für geringe Wahlbeteiligung

In der Pressekonferenz wurde angesichts der niedrigen Wahlbeteiligung von rund 53 Prozent die Frage aufgeworfen, ob die Wahlergebnisse noch legitimiert seien. Kahr sagte dazu: „Das muss generell Sorgen bereiten. Leider geht die Wahlbeteiligung seit 2003 runter. Die KPÖ habe sich bewusst an Menschen gewandt, die angaben, schon lange nicht mehr gewählt zu haben. Apfelknab meinte: „Der Wahltermin war sehr klug gewählt, Fußball-WM, Formel 1 und heiße Witterung.“ Kahr entgegnete, dies sei zu einem Zeitpunkt festgelegt worden, als man noch nichts von den Terminen und Umständen wusste. Der Zweck sei es gewesen, mit dem vorverlegten Wahltermin Zeit für ein Doppelbudget zu haben. „Aber genau das mögen die Menschen nicht”, sagte Kahr zu Apfelknabs Aussage.

Hohensinner sagte zur geringen Wahlbeteiligung: „Das gibt zu denken, da sind alle gefordert, die Wähler anzusprechen und zu den Wahlen zu bringen. Ich unterstelle nicht, dass das Wetter bestellt war. Aber zumindest das größte Event der Steiermark, die Formel 1, sollte bekannt gewesen sein. Vielleicht könnte man das in Zukunft besser abstimmen.“ Die Grünen-Vizebürgermeisterin Schwentner sagte: „Bevor es weitere Verschwörungstheorien gibt: Es gab drei Wochen lang die Möglichkeit, die Briefwahlkarte einzuwerfen. Wir müssen uns anschauen, wer zur Wahl ging und wer nicht. Das werde ein Thema „für uns alle”.

Wahlsiegerin KPÖ feierte

Kurz vor 21 Uhr ist Bürgermeisterin Kahr am Sonntagabend bei ihrer Wahlparty im Volkshaus in der Grazer Lagergasse eingetroffen. Bei rund 30 Grad wurde die Wahlsiegerin mit lautem Applaus, Sprechchören und rotem Rauch empfangen. „Elke Kahr, Elke Kahr”, riefen die Unterstützer, während die Bürgermeisterin Hände schüttelte, Menschen umarmte, winkte und sich bedankte. Mehrere Minuten später stand sie auf der Bühne. Sie sprach von einem „Sensationsergebnis“: „Ihr gehört eigentlich alle da hinauf. Wir haben uns jahrzehntelang ins Zeug gehaut.” Bevor sie das Ergebnis von „über 35 Prozent” nannte, vergewisserte sie sich noch bei ihrem KPÖ-Kollegen Robert Krotzer, der neben ihr auf der Bühne stand. Kahr versprach den Anwesenden, die KPÖ werde sich auch nach diesem Wahlerfolg „nicht verbiegen”. Die kommenden Jahre würden nicht leicht werden, sagte sie mit Blick auf die angespannte Budgetlage: „Den Gemeinden und auch der Stadt Graz geht es schlecht.” Man werde aber darauf achten, „dass es nicht die Leute trifft”. Obwohl die KPÖ keine Partei sei, „die auf andere Parteien schimpft”, konnte sich Kahr einen Seitenhieb auf die FPÖ nicht verkneifen: „Dass für die FPÖ in Graz nicht die ganzen Bäume in den Himmel wachsen, das freut uns sehr.” Abschließend betonte die KPÖ-Politikerin: „Wir werden unsere Haltung bewahren. Wir werden sehen, mit wem das geht und mit wem nicht. Wir werden das schon hinkriegen, gemeinsam, wie immer.“ Zu „Bella Ciao“ wurde dann tanzend und klatschend der Rest der Party eingeläutet.

Kahr selbst wollte eigenen Angaben zufolge nicht allzu lange auf ihrer Party bleiben. Sie wollte vor Mitternacht zu Hause sein, sagte sie später der APA. „Ich habe die größte Freude, wenn sich andere unterhalten. Heute will ich meinen Krimi fertiglesen. Im Wahlkampf habe ich immer nur zwei Seiten am Stück geschafft, bevor ich eingeschlafen bin.“ Ihr erster Termin am Montag sei erst um 9 Uhr, darüber sei sie „sehr froh”. In den nächsten Tagen und Wochen werde aber viel anstehen. Mit Blick auf mögliche Koalitionsgespräche sagte Kahr: „Vieles spricht dafür, dass wir mit den Grünen weitermachen.“ Es gehöre sich aber auch, mit den Zweitplatzierten zu reden und auszuloten, „wo Schnittmengen sind” und ob „die Überheblichkeit weg” sei. Die konstituierende Sitzung des neuen Gemeinderats ist bereits für Ende August angesetzt.