Die Einstufung des Sika-Hirsches als invasive Art durch die Europäische Union sorgt in Österreich für heftige Diskussionen. Wie mehrere Medien übereinstimmend berichten, müssen die Tiere bis spätestens August 2027 aus heimischen Gehegen entfernt werden. Betroffen sind laut Branchenvertretern mehr als 250 Betriebe.

Künftig sollen Haltung, Zucht, Transport und Einfuhr der ursprünglich aus Ostasien stammenden Hirschart untersagt werden. Hintergrund der Entscheidung ist die Befürchtung, dass sich Sika-Hirsche mit heimischem Rotwild kreuzen und dadurch Hybridformen entstehen könnten.

Millionenverluste befürchtet

Besonders kritisch sehen die betroffenen Halter die wirtschaftlichen Folgen. Nach Angaben des Verbands der Sika-Züchter droht ein Schaden von rund 16 Millionen Euro. Viele Betriebe hätten über Jahrzehnte in Gehege, Zuchtprogramme und Vermarktungsstrukturen investiert.

Die Züchter verweisen zudem darauf, dass die Tiere in Österreich überwiegend in kontrollierten und eingezäunten Gehegen gehalten werden. Eine unmittelbare Gefährdung heimischer Wildbestände sehen sie daher nicht gegeben.

Kritik aus Österreich

Für Unverständnis sorgt auch, dass österreichische Vertreter im zuständigen wissenschaftlichen Gremium laut Medienberichten gegen die Einstufung votiert hatten, sich jedoch nicht durchsetzen konnten.

Kritik kommt unter anderem vom niederösterreichischen EU-Abgeordneten Alexander Bernhuber (ÖVP). Er warnt vor gravierenden Folgen für zahlreiche Familienbetriebe und bemängelt, dass für die betroffenen Halter keine Entschädigungen vorgesehen seien.

Bereits ab August dieses Jahres sollen männliche und weibliche Tiere getrennt gehalten werden, um eine weitere Vermehrung zu verhindern. Für viele Betriebe beginnt damit bereits die schrittweise Auflösung ihrer Bestände.

Debatte über Verhältnismäßigkeit

Während die EU die Maßnahme mit dem Schutz der Biodiversität begründet, stellen Kritiker die Verhältnismäßigkeit infrage. Sie verweisen darauf, dass in Österreich bislang keine dokumentierten Fälle bekannt geworden seien, bei denen Sika-Hirsche heimisches Rotwild in freier Wildbahn verdrängt hätten.

Ob die Verordnung in ihrer derzeitigen Form bestehen bleibt, wird in den kommenden Monaten weiter Gegenstand politischer Diskussionen sein. Für die betroffenen Betriebe steht jedoch schon jetzt viel auf dem Spiel.