FPÖ-Mediensprecher Christian Hafenecker spricht von einem „kaputten System“ und sieht den ORF im freien Fall. Unter dem Titel „Drogen, Mobbing, Gagenexzesse – Der ORF verkommt vom Leitmedium zum medialen Schandfleck“ wurde die Debatte zusätzlich angeheizt. Besonders im Fokus steht Stiftungsratschef Heinz Lederer, der laut Hafenecker als „Lobbyist der Sonderklasse“ agiere.

Auch andere Parteien sehen akuten Handlungsbedarf. Die ÖVP spricht von einem „katastrophalen“ Zustand des Senders und fordert rasche Konsequenzen im Management. NEOS-Klubobmann Yannick Shetty bezeichnet den ORF in einer der „größten Krisen seit Jahrzehnten“ und fordert tiefgreifende Strukturreformen.

Babler verschiebt Reform auf Herbst

SPÖ-Vizekanzler und Medienminister Andreas Babler erkennt zwar Reformbedarf, setzt aber auf Zeit. „Es braucht eine Reform des ORF“, meint der Medienminister, kündigt den Start jedoch erst für den Herbst an. Der Sender solle „transparenter und bürgernäher“ werden, ohne dass die Politik direkt eingreift.

Gleichzeitig betont Babler, die aktuellen Vorwürfe seien kein Einzelfall: „Ein mächtiger Mann hat Grenzen seiner Mitarbeiterin überschritten, hat sie unter Druck gesetzt. Aber das ist kein Einzelfall in Österreich!“ Die politische Aufarbeitung soll nun erst im Herbst beginnen – trotz wachsendem Druck aus Opposition und Teilen der Koalition.

Während die Regierung auf Herbstpläne verweist, fordern Kritiker ein schnelleres Vorgehen. Besonders der Umgang mit dem Stiftungsrat und die Nähe zur Politik stehen im Zentrum der Debatte. Die Fronten im ORF-Streit verhärten sich.