„Es gibt gewiss viele Möglichkeiten, wir sind auf jedes Szenario vorbereitet.“ Anschließend telefonierte er mit US-Präsident Donald Trump. Dieser drohte online: „Für den Iran tickt die Uhr.“

Die israelische Armee sei in Erwartung einer möglichen Wiederaufnahme der Angriffe im Iran in höchster Bereitschaft, berichtete die Zeitung „Yediot Aharonot“ unter Berufung auf israelische Regierungsvertreter. Israel warte auf eine Entscheidung Trumps.

Trump droht: „Für den Iran tickt die Uhr"

Trump drohte dem Iran am Sonntag mit Konsequenzen, sollte die Führung des Landes nicht rasch handeln. „Für den Iran tickt die Uhr. Sie sollten sich besser schnell bewegen, sonst wird nichts von ihnen übrigbleiben. Jede Minute zählt!”, schrieb er in einem Beitrag auf Truth Social.

Das Nachrichtenportal „Axios“ zitierte ihn nach einem Telefoninterview zudem mit der Aussage, dass der Iran „viel härter“ getroffen werde, sollte die Führung des Landes in den Bemühungen um ein Kriegsende keinen besseren Vorschlag vorlegen.

„Wir wollen ein Abkommen schließen. Sie sind noch nicht da, wo wir sie haben wollen. Sie müssen dorthin gelangen, sonst werden sie hart getroffen, und das wollen sie nicht“, betonte Trump demnach.

Mit ähnlich drastischen Worten hatte der US-Präsident dem Iran bereits Anfang April gedroht. „Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht sterben und niemals wieder zum Leben erweckt werden”, erklärte er am 7. April.

Einen Tag später trat eine Waffenruhe in Kraft, die Trump später auf unbestimmte Zeit verlängerte. Eine dauerhafte Lösung für den Konflikt und seine massiven wirtschaftlichen Folgen gibt es jedoch bislang nicht. Die iranische Antwort auf einen US-Vorschlag zur Beendigung des Kriegs bezeichnete Trump kürzlich als „Müll”.

Bericht: Bald Beratungen zu militärischen Optionen erwartet

Laut dem US-Medium „Axios“ sagten nicht namentlich genannte US-Beamte, dass militärische Optionen aktuell wieder auf dem Tisch lägen. Hintergrund sei die Ablehnung von US-Forderungen durch Teheran sowie die mangelnde Bereitschaft des Irans, bei seinem umstrittenen Atomprogramm bedeutende Zugeständnisse zu machen.

Es wird erwartet, dass Trump am Dienstag mit seinem nationalen Sicherheitsteam im „Situation Room“, dem streng gesicherten Lagezentrum der US-Regierungszentrale in Washington, zusammenkommt. Dort sollen Optionen für militärische Maßnahmen erörtert werden, so „Axios“ unter Berufung auf zwei US-Beamte.

Nach Informationen des Portals traf sich Trump bereits am Samstag mit Mitgliedern seines nationalen Sicherheitsteams in seinem Golfclub im US-Bundesstaat Virginia.

Drohnenangriff auf Atomkraftwerk in den Emiraten

Unterdessen brach bei einem Drohnenangriff in den Vereinigten Arabischen Emiraten an einem Atomkraftwerk ein Feuer aus. Wie das Medienbüro der Hauptstadt mitteilte, sei ein Stromgenerator der Anlage in der Wüstenregion westlich von Abu Dhabi in Brand geraten. Der Brand habe die Sicherheit der Anlage jedoch nicht gefährdet und der Betrieb laufe normal. Auch Verletzte habe es nicht gegeben.

Der Verdacht richtete sich schnell gegen den Iran, der die Emirate seit Kriegsbeginn im Nahen und Mittleren Osten besonders stark angegriffen hat. Das Land meldete seit Ende Februar nahezu 3.000 iranische Angriffe mit Raketen, Drohnen und Marschflugkörpern.

Der Generaldirektor der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO), Rafael Grossi, zeigte sich schwer besorgt über den Vorfall. „Militärische Handlungen, die die Atomsicherheit gefährden, sind nicht hinnehmbar”, teilte er mit. Die Emirate hätten die IAEA jedoch informiert, dass die Strahlenwerte normal seien.

London bringt kostengünstigere Drohnenabwehr in Nahen Osten

Die Abwehr iranischer Drohnen stellt für die Golfstaaten eine große Herausforderung dar. Nun führt ihr Verbündeter Großbritannien eine kostengünstigere Abwehrwaffe ein. Wie das Verteidigungsministerium in London mitteilte, werden seine Kampfflugzeuge des Typs Typhoon im Nahen Osten mit neuen, kostengünstigen Raketen zur speziellen Drohnenabwehr ausgerüstet. Damit sei die präzise Zerstörung von Zielen möglich – und das „zu einem Bruchteil der Kosten der aktuell dafür genutzten Raketen”.

Verteidigungsminister Luke Pollard zufolge werde das Waffensystem dabei helfen, „bei viel geringeren Kosten viel mehr Drohnen abzuschießen”. Die Typhoon-Kampfflugzeuge verteidigen im Nahen Osten britische Staatsbürger und Interessen sowie Verbündete.

Die neue Anti-Drohnen-Waffe (Kürzel APKWS) nutzt ein Laser-Zielsystem, das einfache Raketen in günstige Präzisionswaffen umwandelt. Das Ministerium nannte keinen genauen Preis für das System.

Festgefahrene Verhandlungen frustrieren Washington

Ende Februar begannen die USA und Israel den Iran-Krieg. Teheran reagierte auf das massive Bombardement mit Gegenangriffen auf Israel sowie auf die Staaten am Persischen Golf, die es als Verbündete der USA betrachtet. Aktuell gilt in dem Krieg eine Waffenruhe. Spannungen in der Region hatten diese jedoch mehrfach ins Wanken gebracht. Zudem sorgt der mangelnde Fortschritt bei den diplomatischen Bemühungen in Washington zunehmend für Frust.

Bereits am Freitag hatte die New York Times berichtet, das Pentagon bereite sich auf einen möglichen Neubeginn des Kriegs vor. Hintergrund sei, dass die bisherigen Ziele – insbesondere mit Blick auf das iranische Atomprogramm – nicht erreicht worden seien. Laut dem Blatt sind die USA und Israel mit intensiven Vorbereitungen auf eine mögliche Wiederaufnahme der Angriffe im Iran in der kommenden Woche beschäftigt. Das Blatt beruft sich dabei auf zwei Repräsentanten aus dem Nahen Osten.

Auch der israelische Fernsehsender N12 meldete, in Israel gehe man davon aus, dass eine Entscheidung über ein militärisches Vorgehen „sehr bald” fallen könne. Man rechne damit, dass neue Kämpfe „Tage bis Wochen” dauern würden.

Szenarien: Begrenzte Schläge oder Bodenoperationen

Laut „Yediot Ahronot“ wird derzeit nicht erwartet, dass Trump einen umfassenden Krieg mit dem Ziel des Sturzes der iranischen Führung beginnen will. Stattdessen rechne man eher mit begrenzten Angriffen auf Kraftwerke und Brücken.

Auch Bodenoperationen zur Einnahme der für den Export wichtigen Insel Charg oder zur Bergung der Bestände von rund 440 Kilogramm Uran, das im Iran auf 60 Prozent angereichert wurde und bei weiterer Anreicherung zum Bau mehrerer Atomwaffen ausreichen könnte, seien denkbar.

Irans Armee warnt vor neuen US-Angriffen

Der Sprecher der iranischen Armee, Abolfasl Shekarchi, warnte am Sonntag vor erneuten Angriffen der USA. US-Präsident Donald Trump solle wissen, dass im Falle neuer Angriffe auf den Iran „die Ressourcen und Streitkräfte seines Landes beispiellosen, offensiven, überraschenden und tumultartigen Szenarien ausgesetzt” würden, so Shekarchi im iranischen Staatsfernsehen.