Donald Trump wollte einen Deal. Jetzt klingt der US-Präsident, als sei seine Geduld am Ende.
Beim NATO-Gipfel in Ankara erklärte Trump das Memorandum of Understanding mit dem Iran praktisch für tot. Neben NATO-Generalsekretär Mark Rutte sagte er vor Journalisten: „Für mich ist es vorbei.“
Dann wurde er noch deutlicher: Er wolle mit der iranischen Führung nicht mehr verhandeln. „Sie sind Abschaum“, sagte Trump. „Sie sind kranke Menschen. Sie werden von kranken Menschen geführt.“
Hätte dieses Regime eine Atomwaffe, würde es sie auch einsetzen, sagte der US-Präsident.
Erst Tanker, dann Raketen
Der neue Bruch begann nicht am Verhandlungstisch. Er begann auf See.
In der Straße von Hormus wurden nach US-Angaben drei Handelsschiffe beziehungsweise Tanker attackiert. Die Meerenge ist eines der wichtigsten Energie-Nadelöhre der Welt. Wer dort feuert, feuert nicht nur auf Schiffe. Er feuert auf Ölpreise, Lieferketten und die Nerven der Weltwirtschaft.
Besonders brisant: Nach Angaben aus der Region gehörten ein katarischer LNG-Tanker und ein saudischer Supertanker zu den betroffenen Schiffen. Der katarische Tanker Al-Rekayyat soll von einer Drohne getroffen worden sein. Im Maschinenraum brach demnach Feuer aus. Die Besatzung wurde in Sicherheit gebracht.
Auch der saudische Supertanker Wedyan wurde beschädigt. Katar und Saudi-Arabien machten Iran direkt verantwortlich. Ein US-Beamter sprach von ersten Hinweisen, dass Iran auf drei Handelsschiffe gefeuert habe.
Tod Amerika Tod Israel Hassparolen Bei Khameneis Trauerzug In Den Irak
OSINT spricht von bis zu fünf Tankern
OSINT-Quellen berichten in der Zwischenzeit von bis zu fünf Tankern, die binnen 24 Stunden auf der omanischen Route durch die Straße von Hormus attackiert oder beschädigt worden sein sollen.
Drei seien namentlich identifiziert. Ein weiterer Vorfall sei erst wenige Stunden alt. Ein beschädigtes Schiff sei bisher noch nicht offiziell gemeldet worden.
Diese höhere Zahl ist nicht unabhängig bestätigt. Sie passt aber zu dem, was Washington und die Golfstaaten nun offen benennen: Handelsschiffe werden getroffen, dann folgen Drohungen, dann neue Forderungen zur Kontrolle der Route.
USA schlagen mehr als 80 Ziele an
Die Antwort kam in der Nacht. Das US-Regionalkommando CENTCOM meldete eine Serie „kraftvoller“ Angriffe auf iranische Ziele. Mehr als 80 Ziele seien getroffen worden.
Darunter: Luftabwehrsysteme, Kommando- und Kontrollanlagen, Küstenradar, Anti-Schiffs-Raketen und mehr als 60 Schnellboote der Revolutionsgarden. Auch Ziele bei Sirik, auf Qeshm Island und in Bandar Abbas wurden angegriffen.
Washington begründete die Schläge mit den Attacken auf Handelsschiffe in einem internationalen Seeweg. Ziel sei es, Irans Fähigkeit zu schwächen, den Handel in der Straße von Hormus weiter zu bedrohen.
Iranische Medien meldeten Explosionen im Süden des Landes. In Sirik soll ein Geschoss einen kommerziellen Pier getroffen haben. Mehrere Menschen wurden demnach durch Splitter verletzt. Zivile Todesopfer wurden zunächst nicht gemeldet.
Neue Meldungen aus Bushehr und Mahshahr
Auch aus anderen Teilen des Südens kamen Berichte. Iranische Stellen meldeten Angriffe auf zwei Militäranlagen in der Provinz Bushehr. Aus Mahshahr in der Provinz Khuzestan berichtete die iranische Nachrichtenagentur IRNA, ein Marineoffizier der Revolutionsgarden sei bei amerikanischen Angriffen getötet worden.
Damit hätte die neue Angriffswelle auf iranischer Seite mindestens ein gemeldetes Todesopfer in den Reihen der Revolutionsgarden.
Washington dreht die Öl-Lizenz ab
Die USA beließen es nicht bei Militärschlägen. Washington widerrief eine Ausnahmegenehmigung, die Iran im Rahmen der Juni-Vereinbarung Öl- und Petrochemie-Exporte erlaubt hatte. Diese Lizenz war erst am 22. Juni erteilt worden. Ursprünglich sollte sie bis 21. August gelten.
Nun müssen laufende Geschäfte bis 17. Juli abgewickelt werden. Für Teheran fällt damit ein zentraler wirtschaftlicher Anreiz des Abkommens weg.
Ein US-Beamter erklärte, das Memorandum sei „leistungsabhängig“ gewesen. Vorteile gebe es nur bei entsprechendem Verhalten Teherans.
Teheran feuert auf Bahrain und Kuwait
Iran reagierte militärisch. Die Revolutionsgarden erklärten, sie hätten US-Militärstandorte in Bahrain und Kuwait mit Raketen und Drohnen angegriffen. In beiden Golfstaaten heulten am Mittwochmorgen die Sirenen.
Kuwait meldete den Einsatz seiner Luftabwehr gegen anfliegende Geschosse. Nach US-Angaben gab es zunächst keine größeren Schäden.
Die Revolutionsgarden behaupteten dagegen, 85 amerikanische Militäreinrichtungen in Bahrain und Kuwait getroffen zu haben. Außerdem habe man eine MQ-9-Drohne abgeschossen. Unabhängig bestätigt ist das nicht.
Iran will sichere Route selbst bestimmen
Dann kam die nächste Drohung. Irans oberste Militärführung kündigte eine „vernichtende Antwort“ auf die US-Angriffe an. Washington habe einen „offenen Akt der Aggression“ begangen.
Besonders heikel: Teheran erklärte, nur noch jene Passage für Handelsschiffe und Tanker durch die Straße von Hormus sei sicher, die von Iran festgelegt werde.
Das ist mehr als ein Satz in einer Eskalation. Es ist ein Anspruch auf Kontrolle über einen der wichtigsten Seewege der Welt.
Trump: Sie lügen über den Deal
Für Trump ist damit der Punkt erreicht, an dem aus Verhandlung Taktik wird. Der US-Präsident warf Teheran vor, Zusagen nach außen falsch darzustellen. Alle hätten sich darauf verständigt, dass Iran keine Atomwaffen bekommen dürfe, sagte Trump sinngemäß. Dann gehe die iranische Führung vor die Presse und behaupte, darüber sei gar nicht gesprochen worden.
„Sie sind Lügner“, sagte Trump. „Mit ihnen stimmt etwas nicht. Sie sind verrückt.“ Trump präsentiert den Bruch nicht als Laune. Er stellt ihn als Ergebnis wiederholter Täuschung dar: Einigung im Raum, anderes Spiel vor den Kameras.
Und trotzdem: Gespräche nicht völlig tot
Ganz zuschlagen will Trump die Tür aber nicht. Kurz nach seiner Aussage, das Abkommen sei „vorbei“, sagte er, seine Unterhändler könnten weiterreden, wenn sie wollten. „Ich lasse unsere wunderbaren Verhandler weiterreden“, sagte Trump sinngemäß. Er selbst sehe darin aber kaum noch Sinn.
Trump ist grundsätzlich nicht gegen einen Deal. Er glaubt nur nicht mehr, dass diese iranische Führung ihn ehrlich will.
Auf US-Seite waren zuletzt unter anderem Vizepräsident JD Vance sowie Trumps Vertraute Steve Witkoff und Jared Kushner in die Iran-Diplomatie eingebunden. Auch regionale Vermittler wie Katar, Pakistan und die Türkei spielten eine Rolle.
Die indirekten Gespräche in Katar waren zuletzt ohne Durchbruch geblieben. Das Interimsabkommen vom 17. Juni sollte eigentlich ein 60-tägiges Fenster für eine dauerhafte Lösung öffnen. Jetzt schließt es sich schneller als geplant.
Trump: Ich stehe auf ihren Todeslisten
Trump erhob zudem einen persönlichen Vorwurf. Iran wolle ihn töten, sagte der US-Präsident. Er stehe auf iranischen Listen. „Sie wollen den US-Führer ausschalten – mich“, sagte Trump. Bis jetzt habe er wohl Glück gehabt. Vielleicht halte das aber nicht mehr lange.
Was genau Trump meinte, blieb offen. In den vergangenen Tagen hatten allerdings Aufnahmen von Trauerfeiern für den getöteten iranischen Obersten Führer Ali Khamenei Aufmerksamkeit erregt. Auf Bannern und Schildern waren Parolen wie „Kill Trump“ zu sehen.
Trump sagte, die USA hätten Iran zunächst Raum für die Trauerzeremonien gegeben. Sinngemäß habe Washington signalisiert: Macht eure Beerdigungssachen. Stattdessen seien Raketen auf Schiffe gefeuert worden. Deshalb hätten die USA „sehr hart“ zugeschlagen.
Khameneis Begräbnis als Machtdemonstration
Die Eskalation fällt mitten in die mehrtägigen Trauerfeiern für Khamenei. In Qom gingen Hunderttausende auf die Straße. Die Führung nutzte die Trauerzüge als Machtdemonstration nach innen und außen. Khamenei war zu Beginn des US-israelischen Krieges getötet worden, gemeinsam mit mehreren Familienangehörigen.
Iranische Staatsmedien zeigten später, wie sein Sarg nach Najaf im Irak gebracht wurde. Präsident Masoud Pezeshkian verließ die Trauerfeiern nach den US-Angriffen vorzeitig und kehrte nach Iran zurück.
Rutte stellt sich hinter Washington
NATO-Generalsekretär Mark Rutte stellte sich in Ankara klar auf die Seite der USA. Die amerikanischen Schläge seien „absolut notwendig“ gewesen, sagte Rutte. Wenn es eine Waffenruhe gebe und Iran diese im Grunde verletze, müsse Amerika mit Nachdruck reagieren.
Auch der niederländische Premier Rob Jetten sprach von einer „fragilen“ Waffenruhe. Verstöße dürften nicht akzeptiert werden. Zugleich müsse der diplomatische Druck hoch bleiben, damit Gespräche weiter möglich bleiben.
Netanyahu warnt vor Chemiewaffen
Parallel verschärfte Israels Premier Benjamin Netanyahu die Warnungen vor Teheran. In einem Interview mit Newsmax sagte er, Iran besitze „definitiv“ Chemiewaffen. „Das kann ich Ihnen sagen“, erklärte Netanyahu. „Und das ist eine weitere Bedrohung.“
Unabhängig bestätigt ist diese Behauptung bisher nicht. Auch ein Einsatz chemischer Waffen durch Iran im aktuellen Krieg wurde bislang nicht gemeldet.
Brisant ist die Aussage dennoch: Iran ist Mitglied der Chemiewaffenkonvention. Besitz, Herstellung oder Einsatz solcher Waffen wären ein schwerer Verstoß gegen internationales Recht.
Atomprogramm laut Netanyahu stark zurückgeworfen
Netanyahu sagte zugleich, die israelisch-amerikanischen Schläge hätten Irans Fähigkeit zum Bau von Atomwaffen massiv zurückgeworfen. Man habe Infrastruktur, Zentrifugen, Fabriken und Anlagen zerstört. Außerdem seien 20 führende iranische Nuklearwissenschaftler ausgeschaltet worden.
Netanyahu warnte zugleich vor Nachlässigkeit. Das Regime werde versuchen, sein Programm wieder aufzubauen. Der Schlag habe Teheran stark zurückgeworfen, die Gefahr aber nicht endgültig beseitigt.
Netanyahu: Gefahr auch für Amerika
Der israelische Premier begründete auch den Kriegseintritt der USA mit einer direkten Gefahr für Amerika. Wenn ein Regime, das „Tod Amerika“ rufe, ballistische Raketen mit nuklearen Sprengköpfen verbinden könne, sei jeder Amerikaner bedroht, sagte Netanyahu. Deshalb habe Trump gehandelt.
Trump tue, was er für gut für die Vereinigten Staaten halte. In diesem Fall sei es aus Netanyahus Sicht wesentlich für die Sicherheit Amerikas gewesen.
Offener Druck auf das Regime
Trump warf Teheran vor, 54.000 Demonstranten getötet zu haben. Doch Die Opposition im Iran könne das Regime nicht stürzen, weil sie unbewaffnet sei, während die Gegenseite Maschinengewehre habe.
Netanyahu sagte, rund 80 Prozent der Iraner würden das Regime hassen. Er sprach von „theologischen Schlägern“, die das Land mit Gewalt kontrollierten. Auch diese Einschätzung stammt von Netanyahu.
Der israelische Premier warf den Revolutionsgarden zudem vor, ihre „Geldmaschinen“ verloren zu haben. Gemeint seien Industrien und Einnahmequellen, mit denen sie sich finanzierten. Das iranische Volk lebe in bitterer Armut, während die Machthaber wie Könige lebten, sagte Netanyahu.
Golfstaaten gehen auf Distanz
Auch aus der Region kommt scharfe Kritik an Teheran. Katar bestellte den stellvertretenden iranischen Botschafter ein und übergab eine Protestnote. Doha macht Teheran rechtlich für den Angriff auf den katarischen Tanker verantwortlich.
Saudi-Arabien verurteilte den Angriff auf den eigenen Tanker ebenfalls scharf. Kuwait sprach von „abscheulichen iranischen Aggressionen“ und betonte sein Recht, alle notwendigen Maßnahmen zum Schutz der eigenen Sicherheit zu ergreifen.
Der außenpolitische Berater des Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, Anwar Gargash, erklärte, die Angriffe auf katarische und saudische Tanker sowie die wiederholte Aggression gegen Bahrain und Kuwait zeigten, dass Teheran nicht bereit sei, die Voraussetzungen für Deeskalation zu erfüllen.
Oman rief dagegen zu Zurückhaltung und Diplomatie auf.
Iran weist alles zurück
Teheran weist die Vorwürfe zurück. Die Anschuldigungen Katars bezeichnete Iran als „inakzeptabel“. Zugleich behauptete Teheran, kommerzielle Schiffe würden Risiken eingehen, wenn sie Routen nutzten, die nicht mit Iran koordiniert seien.
Auch der iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf warf den USA schwere Verstöße gegen das Memorandum vor. Er nannte die US-Angriffe auf Iran, die erneuten Ölsanktionen, Drohungen weiterer Schläge, Streit um Irans „Anpassungen“ in der Straße von Hormus und fortgesetzte israelische Angriffe gegen die Hisbollah im Libanon.
„Die Ära von Einschüchterung und Erpressung ist vorbei“, schrieb Ghalibaf auf X. „Wir knicken nicht ein.“
Außenminister Abbas Araghchi erklärte zudem, Verhandlungen über ein endgültiges Abkommen würden nicht beginnen, solange Drohungen weitergingen.
Trump rügt Europa
Trump nutzte den Auftritt in Ankara auch für Kritik an den Europäern. Großbritannien, Deutschland und Frankreich hätten sich geweigert, die USA im laufenden Konflikt militärisch zu unterstützen, sagte der US-Präsident.
Für Europa ist das heikel. Die großen EU-Staaten sind in der Diplomatie kaum sichtbar, werden von Washington öffentlich gerügt – und bleiben gleichzeitig von jeder größeren Störung der Energieversorgung unmittelbar betroffen.
Ölpreis springt nach oben
Die Märkte reagierten sofort. Der Ölpreis legte nach den US-Schlägen und Trumps Aussagen deutlich zu. Reuters berichtete von einem Anstieg auf ein Zwei-Wochen-Hoch. Investoren fürchten eine längere Störung der Energieversorgung am Golf.
Auch mehrere Tanker drehten laut Marktbeobachtern ab oder verzichteten auf die Passage durch die Straße von Hormus.
Die Waffenruhe war schon vor Trumps Auftritt brüchig. Jetzt steht sie vor dem Aus. Trump war zu einem Deal bereit. Doch nach Tankern, Raketen, Drohungen und Gegenschlägen klingt Washington nicht mehr nach Geduld – sondern nach letzter Warnung.

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