Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervor.

13.500 Anhänger im Jahr 2025

Laut der Bundestagsdrucksache 21/6785 vom 30. Juni 2026 rechnet die Bundesregierung der organisierten Bewegung für das Beobachtungsjahr 2025 13.500 Personen zu – 600 mehr als im Vorjahr. Davon sind 10.500 Personen in drei großen Dachverbänden organisiert, 3.000 gehören der sogenannten freien Szene an. Die Kleine Anfrage stammt von den Grünen-Abgeordneten Irene Mihalic, Marlene Schönberger und weiteren Mitgliedern der Fraktion. Deren Ideologie verbinde extremen Nationalismus mit rassistischen und antisemitischen Vorstellungen und stelle die türkische Nation sowie die Idee eines großtürkischen Reiches in den Mittelpunkt, heißt es in der Drucksache weiter.

Im Internet stelle die Bundesregierung zudem Selbstinszenierungen mit Waffen oder anderen Drohgebärden fest. Anhänger des türkischen Rechtsextremismus seien grundsätzlich waffenaffin, da Wehrhaftigkeit als Tugend verstanden werde. Zudem gebe es Einzelhinweise auf paramilitärisch anmutende Treffen auf Paint-Ball-Anlagen im angrenzenden Ausland.

Eine der größten rechtsextremen Organisationen Deutschlands

Laut dem Mediendienst Integration ordnet der Verfassungsschutz den Grauen Wölfen – Selbstbezeichnung „Ülkücü-Bewegung“ – bereits für das Berichtsjahr 2024 rund 12.900 Anhänger zu, ebenfalls mit rund 10.500 Personen in den drei großen Dachverbänden ADÜTDF, ATIB und ANF. Die Bewegung entstand demnach in den 1960er- und 1970er-Jahren in Deutschland und institutionalisierte sich 1978 mit der Gründung der ADÜTDF; politisch steht sie der türkischen Partei MHP nahe, die seit 2018 in einem Wahlbündnis mit der Regierungspartei AKP steht.

Islamistische Strömungen auf dem Vormarsch

Einer Analyse des Verbunds Islamismusprävention und Demokratieförderung sowie der Bundesarbeitsgemeinschaft religiös begründeter Extremismus zufolge, über die WELT berichtete, gewinnen islamisch geprägte Strömungen innerhalb der türkisch-rechtsextremen Bewegung im Vergleich zu stärker laizistisch ausgerichteten Positionen an Einfluss. Die Terrorismusforscherin Miriam Uludoğan-Heß und die Politikwissenschaftlerin Maida Ganević kommen darin zu dem Schluss, dass Antisemitismus im türkischen Rechtsextremismus bis in die Gegenwart als zentrales Mobilisierungselement wirke. Während sich antisemitische Rhetorik in der Türkei zunehmend offen artikuliere, trete sie in Deutschland eher codiert und sprachlich verschleiert auf.

Verbot bislang abgelehnt

Ein Verbot der Bewegung wurde in Deutschland bereits diskutiert: Der Bundestag hatte 2020 sowohl einen von den Grünen unterstützten Antrag der Linksfraktion als auch einen Antrag der AfD für ein Verbot der Grauen Wölfe abgelehnt. Ein Verbot in Frankreich besteht laut Mediendienst Integration bereits.