Der rumänische Medienrat National Audiovisual Council hat dem Nachrichtensender Realitatea Plus die Sendelizenz entzogen. Begründung: 28 offene Geldstrafen aus dem Jahr 2024 – insgesamt rund 605.000 Lei (ca. 122.000 Euro).

Das Gesetz ist klar: Wer nicht zahlt, verliert die Lizenz. Juristisch ist die Grundlage real. Doch genau hier beginnt der Polit-Krimi.

Zufall? Ausgerechnet dieser Sender

Denn Realitatea Plus war kein gewöhnlicher Kanal. Der Sender wurde zur zentralen Bühne für das souveränistische Lager – rund um Călin Georgescu und George Simion. Dort wurde Georgescu selbst nach der umstrittenen Wahl-Aufhebung noch als „gewählter Präsident“ bezeichnet. Und genau dieser Sender ist jetzt aus dem Spiel.

Für viele Zuschauer bedeutet das: Eine der lautesten Gegenstimmen ist plötzlich weg.

George Simion (l.) und Călin Georgescu nach der Stimmabgabe: Ihr politisches Lager profitiert von wachsender Unzufriedenheit – gleichzeitig geraten ihnen nahestehende Medien zunehmend ins Visier.
George Simion (l.) und Călin Georgescu nach der Stimmabgabe: Ihr politisches Lager profitiert von wachsender Unzufriedenheit – gleichzeitig geraten ihnen nahestehende Medien zunehmend ins Visier.

Der eigentliche Skandal: Die annullierte Wahl

Zur Erinnerung: Am 24. November 2024 gewinnt Georgescu überraschend die erste Runde der Präsidentenwahl. Dann der Schock: Zwei Tage vor der Stichwahl zieht das Verfassungsgericht die Notbremse – und annulliert den gesamten Wahlprozess.

Begründung: mutmaßliche Einflussnahme aus dem Ausland – sprich: Russland – über TikTok-Netzwerke und Desinformation. Doch ein klarer Beweis? Fehlanzeige. Kritiker sprechen bis heute von dünnen Unterlagen, vagen Behauptungen – und keiner „Smoking Gun“.

Realitatea Plus griff genau diese Zweifel auf – und geriet damit frontal in Konflikt mit Establishment, Medienaufsicht und Staatsapparat.

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Millionen für Propaganda?

Brisant: Der Sender war eng mit der Opposition verflochten. Die Partei AUR unter Simion pumpte laut Recherchen Millionen in den Kanal – allein für Wahlwerbung und Promotion.

Kritiker sagen: bezahlte Propaganda. Anhänger sagen: endlich eine Stimme gegen das Establishment. Die Grenze verschwimmt.

„Politische Rache“? Harte Vorwürfe

Die Reaktionen lassen nicht lange auf sich warten. Anhänger sprechen von Zensur. Von einem „Staatsstreich“.

Selbst Ex-Premier Victor Ponta – eigentlich Zielscheibe des Senders – schlägt Alarm: Die Begründung wirke vorgeschoben. Das Ganze sehe nach politischer Abrechnung aus. Seine Warnung: Heute trifft es diesen Sender – morgen vielleicht jeden anderen.

Gericht greift sofort ein

Und dann die nächste Wendung: Nur einen Tag später stoppt ein Gericht die Entscheidung. Realitatea Plus darf vorerst weiter senden.

Ein Detail, das alles verändert. Denn wäre der Fall eindeutig – hätte ein Gericht die Entscheidung kaum binnen Stunden gestoppt. Genau das aber ist passiert.

Machtkampf eskaliert

Der Fall zeigt: In Rumänien geht es längst um mehr als Medienrecht. Der TV-Sender wurde zur Projektionsfläche eines Machtkampfes.

Im Hintergrund steht die Frage: Reichen offene Geldstrafen wirklich aus, um einen politisch relevanten Sender abzuschalten? Oder wird hier unter dem Deckmantel formaler Legalität ein gefährlicher Präzedenzfall geschaffen?