Wie die Welt berichtete, gilt die Haft zunächst für 60 Tage.
Die Entscheidung fiel nur wenige Tage nach Bekanntwerden neuer Ermittlungsdetails der ukrainischen Antikorruptionsbehörden NABU und SAPO. Laut dem Handelsblatt steht der langjährige Selenskyj-Vertraute im Verdacht, Teil einer kriminellen Vereinigung gewesen zu sein. Diese soll Millionenbeträge über ein Luxus-Bauprojekt außerhalb von Kyjiw gewaschen haben. Dem Bericht zufolge geht es um rund 10,5 Millionen Dollar.
Wie Euronews berichtete, bestreiten Jermak und seine Anwälte sämtliche Vorwürfe. Die Ermittlungen seien politisch motiviert und stünden unter öffentlichem Druck, erklärte die Verteidigung. Präsident Wolodymyr Selenskyj selbst äußerte sich bisher nicht öffentlich zu dem Fall.
Bereits in den vergangenen Tagen hatten ukrainische Medien und internationale Beobachter von einer der größten Korruptionsaffären seit Beginn des russischen Angriffskrieges gesprochen. Es sollen insgesamt neun Verdächtige angeklagt worden sein. Im Zentrum der Ermittlungen stehen mutmaßliche Verbindungen zu Immobilienprojekten sowie zum staatlichen Atomkonzern Energoatom.
Jermak galt als „zweiter Mann“ der Ukraine
Andrij Jermak war jahrelang einer der mächtigsten Politiker des Landes. Seit 2020 leitete er das Präsidialamt von Präsident Selenskyj und galt als dessen engster Vertrauter. In internationalen Verhandlungen trat Jermak häufig als Chefunterhändler der Ukraine auf und koordinierte unter anderem Gefangenenaustausche mit Russland.
Politische Beobachter bezeichneten ihn immer wieder als die „Nummer zwei“ der Ukraine. Laut mehreren internationalen Berichten hatte Jermak enormen Einfluss auf Personalentscheidungen innerhalb der Regierung und kontrollierte weitgehend den Zugang zum Präsidenten.
Ende 2025 geriet Jermak zunehmend unter Druck. Wie der „Kurier“ berichtete, trat er nach Durchsuchungen seiner Wohnung durch Antikorruptionsermittler schließlich von seinem Amt zurück. Bereits damals standen die Ermittlungen im Zusammenhang mit Korruptions- und Geldwäschevorwürfen.
Der Fall sorgt nun auch international für große Aufmerksamkeit. Kritiker sehen in der Untersuchungshaft eines der engsten Selenskyj-Vertrauten einen schweren politischen Schlag für die ukrainische Führung.

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