Der estnische öffentlich-rechtliche Rundfunk ERR berichtet über eine brisante Entwicklung im internationalen Ukraine-Spendenskandal: Der ukrainische Geschäftsmann Hennady Vaskiv wurde Ende März in Österreich festgenommen. Hierzulande ist der Fall bisher kaum öffentlich thematisiert worden.

Vaskiv steht im Zentrum der Affäre rund um die NGO Slava Ukraini, die seit 2022 mehr als 6,5 Millionen Euro für die Ukraine gesammelt hatte. Später kamen massive Zweifel auf, ob ein Teil der Gelder zweckwidrig verwendet oder veruntreut wurde.

Bis zu 1,5 Millionen Euro umgeleitet

Im Zentrum der Vorwürfe steht die mögliche Umleitung von Spendengeldern in Millionenhöhe. Medienberichten zufolge sollen rund 1,5 Millionen Euro an eine private Firma geflossen sein, die mit Vaskiv in Verbindung steht. Diese soll aus den Hilfszahlungen erhebliche Gewinne erzielt haben.

Laut ERR wird gegen Vaskiv wegen Wirtschaftsdelikten und Geldwäsche ermittelt. Der estnische Sender beruft sich dabei auf Angaben des NGO-Liquidators Ilmar Raag sowie auf Einträge in ukrainischen Gerichtsregistern.

Festnahme nach Flucht in die USA

Wie ERR berichtet, wurde Vaskiv in den letzten Märztagen nach seiner Einreise aus den USA in Österreich festgenommen. Zuvor war er in die Vereinigten Staaten geflüchtet.

Raag erklärte, Interpol habe den Zugriff durchgeführt. Vaskiv wartet nun auf seine Auslieferung in die Ukraine. Auch die Umstände seiner Rückkehr werfen Fragen auf: Laut Raag könnte eine Lockaktion ukrainischer Ermittler eine Rolle gespielt haben.

Politischer Skandal erschütterte Estland

Der Fall hatte bereits 2023 für ein politisches Beben in Estland gesorgt. Die NGO wurde von der damaligen Abgeordneten Johanna-Maria Lehtme gegründet, die später selbst ins Visier der Ermittler geriet. Ihr Aufenthaltsort ist derzeit unklar.

Lehtme hatte nach dem russischen Angriff auf die Ukraine rasch große Bekanntheit erlangt: Sie wurde zur „Person des Jahres“ gekürt und in das Parlament gewählt – bevor der Skandal aufflog und sie zurücktrat.

Whistleblower verurteilt

Zusätzliche Brisanz erhält der Fall durch den Whistleblower: Der Ukrainer Oleksandr Chernov, der den Skandal öffentlich gemacht hatte, wurde Ende 2025 wegen Waffenhandels verurteilt – allerdings nur bedingt. Beobachter sehen darin eine mögliche Vergeltung für seine Enthüllungen.

NGO zerstört – Klagen in Millionenhöhe

Der Skandal führte letztlich zum Ende der NGO „Slava Ukraini“. Die Organisation wurde aufgelöst, ihr Ruf schwer beschädigt.

Derzeit laufen Zivilklagen gegen Vaskiv und Lehtme. Insgesamt werden rund 750.000 Euro an Schadenersatz gefordert. Laut NGO sollen mögliche Rückzahlungen wieder der ukrainischen Armee zugutekommen.

Österreichische Bestätigung steht aus

Eine offizielle Bestätigung österreichischer Behörden zu der von ERR gemeldeten Festnahme liegt bislang nicht vor.

Damit rückt ein internationaler Spendenskandal mit Millionenvolumen direkt nach Österreich – bleibt hierzulande bisher aber weitgehend unter dem Radar.