Frankreichs Präsident Emmanuel Macron fährt zum Nationalfeiertag groß auf. Gemeinsam mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und rund zwei Dutzend weiteren Staats- und Regierungschefs will er die größte Militärparade zelebrieren, die jemals zum französischen Nationalfeiertag über die Champs-Élysées gezogen ist. 6800 Soldaten sollen teilnehmen, ukrainische Copiloten fliegen in französischen Kampfjets mit. Die Botschaft aus Paris ist laut „Spiegel“ unmissverständlich: Europa will Putin zeigen, dass es militärisch erwacht ist und weiterhin fest an der Seite der Ukraine steht.

„Ukraine soll in eine Position der Stärke kommen“

Auch Österreichs Bundeskanzler Christian Stocker nimmt teil, genauso wie 23 Soldaten der österreichischen Garde. „Heute geht es darum, dass die Ukraine in eine Position der Stärke kommen soll. Es gibt eine breite Allianz von Staaten, auch weit über die Europäische Union hinaus, die ein Interesse haben, dass Grenzen nicht durch Gewalt verschoben werden“, sagt der ÖVP-Politiker. Die Sicherheit der Ukraine sei auch unsere Sicherheit, die Ukraine verteidige auch die Sicherheit Europas. „Deshalb verdient sie auch unsere Solidarität. Österreich wird seinen Beitrag leisten, damit dieser Krieg so schnell wie möglich endet.“

Selenskyjs große Hoffnung heißt „Freya“

Doch die Lage für die Ukraine ist dramatisch. Russland greift ukrainische Städte massiv mit ballistischen Raketen an, während die bewährten amerikanischen Patriot-Abwehrraketen knapp werden. Besonders die Hauptstadt Kyjiw steht unter enormem Druck – in der Nacht auf Dienstag war sie erneut Ziel ballistischer Raketen. Nun soll ein neues Raketenabwehrsystem die Wende bringen: „Freya“. Das unter ukrainischer Führung entwickelte System soll laut Selenskyj einfacher, billiger und schneller in Serie produziert werden können als das amerikanische Patriot-System.

Ausgerechnet Macrons Umfeld bremst Erwartungen

In Paris will der ukrainische Präsident das Projekt den verbündeten Staats- und Regierungschefs präsentieren. Die Unterstützerländer sollen ihre Produktionskapazitäten zur Verfügung stellen und damit helfen, die dringend benötigte Raketenabwehr möglichst schnell aufzubauen. Doch ausgerechnet Macrons Umfeld bremst die Erwartungen: Eine schnelle Lösung sei nicht in Sicht. Wann „Freya“ tatsächlich in größerem Umfang einsatzbereit sein könnte, bleibt offen.

Hinter der großen Show bröckelt die Unterstützung

Während in Paris Einigkeit demonstriert wird, sieht die Realität weniger rosig aus. Die Front der Ukraine-Unterstützer wird kleiner. Waren es 2023 noch 21 EU-Staaten, die tatsächlich Militärhilfe leisteten, sollen es 2026 nur noch 14 sein. Auch wichtige politische Unterstützer sind geschwächt. Großbritanniens Keir Starmer musste nach innenpolitischen Problemen zurücktreten, Macron nähert sich dem Ende seiner Amtszeit. Gleichzeitig gilt US-Präsident Donald Trump als unberechenbarer Partner.

Wachsende Ukraine-Skepsis im Osten

Besonders in Osteuropa wächst die Ukraine-Skepsis. In Tschechien bremst Premier Andrej Babiš bei Rüstungsexporten, während in Polen ein heftiger Streit über Waffenlieferungen und historische Konflikte mit der Ukraine tobt. Auch Spanien und Griechenland sollen eine deutsche Bitte abgelehnt haben, Patriot-Abwehrraketen für die Ukraine bereitzustellen.

Friedenspläne verstauben in der Schublade

Ursprünglich wurde die „Koalition der Willigen“ gegründet, um einen möglichen Waffenstillstand abzusichern. Selbst die Stationierung europäischer Truppen in der Ukraine wurde bereits detailliert geplant und ein mögliches Hauptquartier bei Paris eingerichtet. Doch von einem Waffenstillstand ist derzeit wenig zu sehen. Putin zeigt nach Darstellung des Berichts keine Bereitschaft zu Verhandlungen, während sogar Gerüchte über eine neue große russische Mobilisierung im Herbst kursieren.